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Europäische und internationale Alkoholpolitik

Situation in Europa

Im globalen Vergleich ist Europa der Kontinent mit dem höchsten Pro-Kopf-Alkoholkonsum und die Region mit der höchsten Mortalität und Morbidität in Folge von Alkoholmissbrauch. Unter rund einem Fünftel der erwachsenen Bevölkerung ist starkes episodisches Trinken verbreitet. Alkoholmissbrauch ist ein wesentlicher Einflussfaktor, der die Lebenserwartung in Europa verkürzt. Er ist der Grund dafür, dass Männer in Osteuropa eine um etwa ein Viertel geringere Lebenserwartung als in Westeuropa haben. Alkohol am Steuer ist häufig die Ursache für Verkehrsunfälle mit Todesfolge. Alkoholbedingte Krankheiten und Unfälle haben zudem erhebliche negative Auswirkungen auf Beschäftigung und Produktivität. Nach Schätzungen belaufen sich die direkten und indirekten Kosten von alkoholbezogenen Schäden in der EU auf rund 1,3 % des Bruttoinlandsproduktes. In der EU gibt es zahlreiche Projekte und Maßnahmen, um alkoholbedingte Schäden zu vermeiden oder zu reduzieren.

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EU-Alkoholstrategie

Mit Verabschiedung von Ratsschlussfolgerungen am 1. Dezember 2009 zu „Alkohol und Gesundheit" wurden die Themenbereiche der EU-Alkoholstrategie, der Europäischen Kommission vom Oktober 2006, erneut bekräftigt. Schwerpunktmäßig werden die Mitgliedsstaaten und die Kommission aufgefordert, den Schutz von Kindern und Jugendlichen, den schädlichen Alkoholkonsum älterer Menschen und den Einfluss von schädlichem Alkoholkonsum auf soziale und gesundheitliche Ungleichheit besonders zu beachten.

2009 hat die EU einen ersten Zwischenbericht zur Umsetzung der Alkoholstrategie vorgelegt. Mittlerweile haben zehn EU-Staaten seit 2006 eine Nationale Strategie zu Alkohol aufgelegt oder überarbeitet. Insgesamt besteht ein Trend, für den Erwerb von Alkoholika ein Mindestalter von 18 Jahren einzuführen. In Bezug auf die Werbung setzen die Mitgliedsstaaten auf eine verbesserte Selbstkontrolle der Alkoholwirtschaft. Zusätzlich gibt es den Trend, die Zeiten für Alkoholwerbung im Fernsehen einzuschränken. Fast die Hälfte der Mitgliedsstaaten weist auf das Risiko von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft hin. Nur wenige Länder widmen sich bisher dem Thema der Kinder aus alkoholbelasteten Familien. Zahlreiche Mitgliedsstaaten haben Kampagnen gegen Alkohol am Steuer umgesetzt. Oft wurde die Promillegrenze, insbesondere für Fahranfänger, gesenkt. Deutschland ist eines der wenigen Länder, das sich intensiv mit dem zunehmenden Phänomen der Sucht im Alter auseinandersetzt, und nimmt damit eine Vorreiterrolle ein.

Das 2007 eingerichtete „Europäische Forum Alkohol und Gesundheit“, das die Umsetzung der EU-Alkoholstrategie unterstützt, umfasst aktuell mehr als 60 Mitglieder aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen. Die Arbeitsweise des Forums ist vor allem durch Selbstverpflichtungen der Mitglieder geprägt, konkrete lokale wie europaweite Aktionen durchzuführen. Im April 2009 stammte die Mehrheit der bis dahin eingereichten 108 Aktionen aus den Bereichen „Informationen und Aufklärung über riskanten Konsum“ (23 %), „Information und Aufklärung über verantwortungsbewussten Konsum“ (23 %) und „Verantwortung in kommerzieller Kommunikation und Verkauf“ (22 %).

ec.europa.eu/health/alcohol/forum/forum_details/index_en.htm

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Projekte der Alkoholprävention im Rahmen des EU-Gesundheitsprogramms

Das EU-Gesundheitsprogramm fördert von 2008 bis 2013 u.a. Projekte und Maßnahmen zur Prävention von Suchtmittelabhängigkeit. Zuständig ist die Generaldirektion Gesundheit und Verbraucherschutz (GD SANCO) der EU. Die Prioritätsbereiche und die Kriterien für die Finanzierung werden jedes Jahr in einem Arbeitsplan festgelegt und über die Exekutivagentur für Gesundheit und Verbraucher (EAHC) mit der Aufforderung, Vorschläge einzureichen, veröffentlicht. Zur Verringerung alkoholbedingter Schäden haben aktuell folgende Projekte Vorrang:

  • EU-weite Übersicht über den Markt und die Regelungen für alkoholische Getränke, die besonders attraktiv für Minderjährige sind,
  • Weitere Studien über die Preisgestaltung alkoholischer Getränke in der EU,
  • Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Kommission und dem

WHO-Regionalbüro Europa, um die gemeinsame Datenerhebung und Wissensgrundlage in Bezug auf die Alkoholsituation und die Alkoholpolitik in den Mitgliedsstaaten weiterzuentwickeln.

ec.europa.eu/health/programme/policy/index_de.htm
ec.europa.eu/eahc/projects/database.html

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Globale Strategie zur Reduzierung des Alkoholmissbrauchs

Nach Schätzungen starben 2004 weltweit 2,5 Mio. Menschen in Folge des Alkoholmissbrauchs, darunter 320.000 junge Menschen im Alter zwischen 15 und 29 Jahren. Alkoholmissbrauch trägt wesentlich zur weltweiten Krankheitslast bei und wird als drittwichtigster Risikofaktor für vorzeitige Todesfälle und Behinderungen in der ganzen Welt angeführt. Daher hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Mai 2010 die Globale Strategie zur Reduzierung des Alkoholmissbrauchs verabschiedet. Darin ist der Begriff des schädlichen Alkoholkonsums breit angelegt und umfasst einen Alkoholkonsum, der nachteilige gesundheitliche und soziale Auswirkungen für den Konsumenten, die Menschen im Umfeld des Alkoholkonsumenten und die Gesellschaft als Ganzes hat.

Ziele sind: ein globales Bewusstsein zu schaffen, die Handlungsbereitschaft für Veränderungen zu steigern und die Wissensgrundlage für effektive Maßnahmen zur Reduzierung und Vermeidung von alkoholbedingten Schäden zu verbessern. Neben einer Stärkung der technischen Unterstützung insbesondere in Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen soll dort die Behandlung und Prävention leistungsfähiger werden. Interessensvertreter sollen besser zusammenarbeiten und notwendige Ressourcen für abgestimmte Maßnahmen zur Prävention missbräuchlichen Alkoholkonsums bereitgestellt werden. Das Überwachungssystem zum Alkoholkonsum und alkoholbedingter Morbidität und Mortalität soll verbessert werden.

Die Maßnahmen sollen nach Ermessen der Mitgliedsstaaten in Abhängigkeit vom jeweiligen nationalen, religiösen und kulturellen Hintergrund, der Prioritäten im Gesundheitswesen, den verfügbaren Ressourcen und im Einklang mit verfassungsrechtlichen Grundsätzen und internationalen Verpflichtungen umgesetzt werden.

Die Vorschläge für politische Interventionen lassen sich in zehn Bereiche gliedern:

  • Führung, Sensibilisierung und Verpflichtung
  • Gegenmaßnahmen im Gesundheitswesen
  • Handeln in den Gemeinden
  • Gegenmaßnahmen im Bereich Alkohol im Straßenverkehr
  • Verfügbarkeit von Alkohol
  • Marketing alkoholischer Getränke
  • Preispolitik
  • Verringerung der negativen Auswirkungen des Alkoholkonsums und -rauschs
  • Verringerung der Auswirkungen von illegalem Alkohol und nicht professionell hergestelltem Alkohol auf die öffentliche Gesundheit
  • Kontrolle und Überwachung.

Zahlreiche Maßnahmen, die in der globalen Strategie benannt werden, werden in Deutschland bereits umgesetzt. Daher engagiert sich Deutschland im Bereich des Austauschs guter Praxis und trägt durch die Evaluation durchgeführter Maßnahmen zur Steigerung der Evidenz und Abschätzung der Effektivität bei. Als einen ersten Schwerpunkt wird die WHO die Problematik der Fetalen Alkoholspektrumsstörung (FASD) insbesondere in Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen aufgreifen. Weitere Schwerpunkte der WHO werden zunächst die Themen soziale Schäden von Alkohol, Implementierung von effektiven Alkoholrichtlinien sowie Alkohol, HIV und Tuberkulose sein.

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