AVerCa - Aufbau einer effektiven Versorgungsstruktur zur Früherkennung und Frühintervention jugendlichen Cannabismissbrauchs
„AVerCa – Aufbau einer effektiven Versorgungsstruktur zur Früherkennung und Frühintervention jugendlichen Cannabismissbrauchs“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e. V. und der Koordinationsstelle Sucht des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, das vom Bundesministerium für Gesundheit von 2008 bis 2010 gefördert wurde. Eine internetgestützte Arbeits-plattform für Mitarbeiter, Einrichtungen und Träger enthält Good Practice-Materialien, um die Arbeit mit und den Zugang zu jugendlichen Cannabiskonsumenten zu erleichtern. Außerdem wurden das Elternseminar „Generation E“ und der Elternkurs „Hilfe, mein Kind pubertiert“ als geeignete sekundärpräventive Angebote und Programme für die Eltern jugendlicher Cannabiskonsumenten identifiziert.
FreD goes net - Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten in Europa
„FreD goes net“ wurde als europäisches Transferprojekt von „FreD – Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten“ im Zeitraum von 2007 bis 2010 von der EU und dem Bundesministerium für Gesundheit finanziert. Das Ziel war, den klassischen Zugangsweg über die Polizei bzw. Justiz in verschiedene europäische Länder zu übertragen sowie das Projekt mit der Erprobung neuer Zugangswege, wie z.B. Schulen und Arbeitsplatz, weiter zu entwickeln. In elf von zwölf Partnerländern wurde das Projekt etabliert. Die vor Ort beteiligten Organisationen berichteten unter anderem von einem spürbar besseren Zugang zu konsumierenden Jugendlichen. Neben Deutschland, Rumänien, Luxemburg und Polen planen 2011 auch die Slowakei, Slowenien und Zypern eine landesweite Umsetzung.
Fünf-Länder-Projekt INCANT
INCANT (International Cannabis Need of Treatment) ist eine multizentrische Therapiestudie, mit der die Effektivität eines in den USA entwickelten Behandlungs-programms für minderjährige Jugendliche mit Cannabisstörungen und deren Familienangehörige von 2006 bis 2010 in Deutschland, Belgien, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz evaluiert wurde. Im Rahmen einer randomisiert-kontrollierten Studie wurde die „Multidimensionale Familientherapie – MDFT“ mit einem einzeltherapeutischen Standardprogramm verglichen. Letzteres orientierte sich am etablierten integrativen jugendsuchtspezifischen Psychotherapiekonzept (JUP), das seit 2000 in der ambulanten Therapieeinrichtung „Therapieladen“ in Berlin, dem deutschen Projektstandort, angeboten wird.
Im Ergebnis ist MDFT in Bezug auf die Reduktion des Cannabiskonsums gegenüber der JUP-Kontrollgruppe signifikant überlegen. Ebenso konnte eine signifikant höhere Haltequote sowie eine höhere subjektive Zufriedenheit der beteiligten Eltern bei MDFT ermittelt werden. Hinsichtlich komorbider psychosozialer Belastungen der Jugendlichen wurde in beiden Behandlungsgruppen gleichermaßen eine Verbesserung der Symptomatik erzielt.
Soziodemographische Klientenmerkmale zeigen, dass in der INCANT-Studie eine sehr junge und psychisch hoch belastete Klientengruppe erreicht wurde (Durchschnittsalter 16,2 Jahre), wobei Jugendliche und Familien aus sozial schwachen und bildungsarmen Milieus in der Berliner Stichprobe die Hauptgruppe bilden. Die viel versprechenden bisherigen Trends zeigen, dass mit dem intensiven systemischen MDFT-Ansatz eine sehr junge, schwach motivierte und psychosozial hochbelastete Klientengruppe erfolgreich ambulant behandelt werden kann.
Zwar sind in Deutschland mit den Programmen „FreD“, „realize it“, „Candis“ und „Quit the shit“ weitere gut evaluierte Beratungs- und Behandlungsangebote vorhanden, aber keines davon erreicht die Zielgruppe der unter 18-Jährigen so gut wie der MDFT-Ansatz. Für die Verhinderung von „Drogenkarrieren“ ist es deshalb wünschenswert, die MDFT bundesweit bekanntzumachen. Als eine Grundlage dafür hat das Bundesministerium für Gesundheit die Erstellung eines umfangreichen Manuals zur Fortbildung zu MDFT-Therapeuten gefördert. Gemeinsam mit den Suchtbeauftragten der Länder wird an einer Umsetzung von MDFT in den in Frage kommenden Einrichtungen der Psychiatrie, der Jugendhilfe sowie der Sucht- und Drogenhilfe gearbeitet.
Bundesweit: Cannabisausstiegsprogramm „quit the shit“
Ziel von „quit the shit“ ist es, den individuellen Konsum von Cannabis innerhalb eines Zeitfensters von 50 Tagen deutlich zu reduzieren. Zentrales methodisches Instrument ist ein Online-Tagebuch, das die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Protokollierung ihres Fortschritts bei der Reduzierung des Konsums nutzen können. Ein Team von Beraterinnen und Beratern gibt wöchentlich individuelle Rück-meldungen. 2009 und 2010 wurde das Programm durch spezielle interaktive Übungen ergänzt, welche eine stärkere persönliche Auseinandersetzung mit dem Konsum und allen damit zusammenhängenden Aspekten ermöglichen. Mittlerweile wurde „quit the shit“ bundesweit als fester Bestandteil in ausgewählten Beratungsstellen installiert.
Realize it!
Cannabiskonsumenten im Alter zwischen 15 und 30 Jahren sollen durch das Kurzinterventionsprogramm „Realize it!“ ihren Konsum einstellen oder deutlich reduzieren. Von 2004 bis 2007 wurde es als deutsch-schweizerisches Projekt erfolgreich mit Ausnahme einer adäquaten Erreichung der unter 18-Jährigen erprobt. Das Bundesministerium für Gesundheit förderte von 2008 bis 2009 die Schaffung eines bundesweiten Netzwerks jener Beratungsstellen, welche das Programm anwenden, sowie die Erstellung einer speziellen Programmversion für unter 18-Jährige. Ende 2009 war „Realize it!" bundesweit in 161 Beratungsstellen etabliert. Bis Anfang 2011 wurden allein mit „Realize it" über 2.100 junge Erwachsene erreicht. Die Version „Realize it x-tra“ für jüngere Cannabiskonsumierende wurde in zehn Beratungsstellen erfolgreich erprobt und steht dem Netzwerk zur Verfügung. Seit Anfang 2011 kann darüber hinaus ein Interventionsmodul für den hohen Anteil der Ratsuchenden, die sowohl Cannabis als auch Alkohol missbräuchlich konsumieren, genutzt werden. Neu eingeführt wurde auch eine systematisierte Hilfestellung für diejenigen Cannabiskonsumierenden, welche über das Suchtproblem hinaus weitere Belastungen aufweisen.
CANDIS
CANDIS ist ein individuelles Behandlungsprogramm für Personen, die ihren Cannabiskonsum überdenken, einschränken oder beenden wollen. Das kognitiv-behaviorale Entwöhnungsprogramm besteht aus den drei Therapiemodulen: motivationale Gesprächsführung, kognitive Verhaltenstherapie, Problemlösetraining. Im Rahmen der in den Jahren 2007 bis 2009 von der Technischen Universität Dresden durchgeführten multizentrischen, randomisiert-kontrollierten Studie „Implementierung der gezielten Therapie für Cannabisstörungen ‚CANDIS’ in das ambulante deutsche Suchthilfesystem“ wurde überprüft, wie wirksam das modulare Behandlungskonzept unter den realen Bedingungen der ambulanten Sucht-krankenhilfe ist. Die Klienten zeigen demnach ein großes Interesse an der strukturierten Kurzintervention. Insgesamt 255 Personen nahmen am Projekt teil. 88% der Teilnehmer erfüllten die Kriterien für eine Cannabisabhängigkeit, 12% für Cannabismissbrauch. Die Abstinenzrate aller Beender (n=166) lag bei knapp 64%, die nicht-abstinenten Beender reduzierten ihre monatlichen Konsumtage von durchschnittlich 18 auf sechs Tage. Eine im Studienverlauf durchgeführte Prozessevaluation zeigt, dass die überwiegende Mehrzahl der teilnehmenden Studientherapeuten und Einrichtungsleiter das Programm als große Bereicherung und Erweiterung ihres aktuellen Angebots einschätzt.
CAN Stop
Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit entwickelte und evaluierte das Deutsche Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters von Februar 2008 bis April 2011 ein manualisiertes Gruppenbehandlungsprogramm zur Psycho-edukation und Rückfallprävention für junge Menschen im Alter von 14 bis 21 Jahren mit problematischem Cannabiskonsum unter der Bezeichnung „CAN Stop“. Es wurde jeweils in unterschiedlichen Settings (ambulante Jugendhilfe, stationäre und ambulante medizinische Versorgung, Jugendstrafvollzug) evaluiert. Bisher liegen Ergebnisse zu 141 Testpersonen mit einem Altersdurchschnitt von 18,4 Jahren vor. 76% der männlichen (n=118) und alle weiblichen Testpersonen (n=23) wurden gemäß dem von der WHO empfohlenen Fragebogen Severity of Dependence Scale (SDS) als cannabisabhängig eingestuft.
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