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Situation in Deutschland

Konsumsituation

Rund ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung Deutschlands hat Erfahrungen mit illegalen Drogen. Eine deutliche Mehrheit der erwachsenen deutschen Bevölkerung (74,1 Prozent) hat allerdings noch nie in ihrem Leben irgendeine illegale Droge konsumiert. Weniger als 4,9 Prozent haben in den letzten 30 Tagen Drogen konsumiert. Im Jahr 2012 hat in Deutschland jeder dreizehnte Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren (7,8 Prozent) mindestens schon einmal im Leben Cannabis zu sich genommen (Lebenszeitprävalenz). 5,6 Prozent der 12- bis 17-Jährigen konsumierten in den letzten zwölf Monaten vor der Befragung Cannabis (Zwölf-Monats-Prävalenz), 1,3 Prozent davon regelmäßig. Die Offenheit und Akzeptanz gegenüber dem Konsum von Cannabis ist gestiegen. Abhängigkeit von Cannabis oder missbräuchlicher Konsum dieser Substanz bestehen bei 0,5 Prozent der deutschen Erwachsenen. Cannabiskonsum ist bei den unter 25-Jährigen mittlerweile der Hauptgrund für eine ambulante und stationäre Behandlung sowie die Inanspruchnahme von Einrichtungen der Suchthilfe bei Problemen mit illegalen Drogen. Cannabis bleibt damit weiterhin das wichtigste Thema in der Prävention illegaler Suchtstoffe.

0,2 Prozent sind kokainabhängig, 0,1 Prozent sind abhängig von Amphetaminen, weitere 0,2 Prozent zeigen Kriterien eines Amphetaminmissbrauchs. Noch unter einem Prozent liegt in der erwachsenen Allgemeinbevölkerung die Lebenszeitprävalenz für sogenannte Neue Psychoaktive Substanzen (NPS).

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Zunehmender Konsum vom Methamphetaminen

Im Vergleich zu den vorangegangenen Erhebungen zeigt sich für Gesamtdeutschland zwar noch kein zunehmender Gebrauch von Amphetaminen, doch nimmt der Konsum von Methamphetamin („Crystal Meth“) in der Grenzregion zu Tschechien erheblich zu. 2013 bleiben die erhöhten Sicherstellungs-, Konsum- und Behandlungsdaten beunruhigend. In den Beratungs- und Behandlungseinrichtungen machen die Hilfe suchenden „Crystal“-Konsumierenden zwischen 50 und 70 Prozent der Klientel aus, aber auch in der Notfallmedizin und in der Psychiatrie stellen sie eine erhebliche Herausforderung dar.

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Heroinkonsum geht zurück, hohe Prävalenz von Hepatitis C

Zwar ist eine Heroinüberdosierung – auch in Verbindung mit anderen Substanzen – immer noch Hauptursache für drogenbezogene Todesfälle, der Konsum von Heroin ist jedoch nach wie vor rückläufig. In einer opiatgestützten Behandlung befanden sich zum Stichtag 1. Juli 2013 75.400 Patientinnen und Patienten. Hervorzuheben ist, dass durch die Neueinrichtung zweier Einrichtungen in Berlin und Stuttgart zur diamorphingestützten Behandlung endlich mehr Schwerstabhängige Zugang zu dieser Behandlung haben.

Das Auftauchen neuer psychoaktiver Substanzen mit unbekanntem Risikopotenzial stellt weiterhin eine Herausforderung dar. Auch wenn der Anteil der Klientinnen und Klienten, die deshalb Hilfe suchen, noch gering ist, nimmt ihr Anteil dennoch zu und es gibt bereits erste Todesfälle aufgrund des – vor allem injizierenden – Konsums.

Besorgniserregend sind auch die Ergebnisse der sogenannten "DRUCK"-Studie (vgl. Kap. 5) zur Verbreitung von Hepatitis C unter Opiatabhängigen. In den großen deutschen Städten lag die Prävalenz zwischen 60 und 75 Prozent (zwei Drittel davon können die Infektion auch weitertragen). In dieser Studie wurde auch ermittelt, dass über 80 Prozent der Befragten bereits in Haft waren, im Durchschnitt insgesamt über fünf Jahre. Ein Drittel setzte den injizierenden Konsum auch in der Haft fort, während elf Prozent mit dem Drogenkonsum erst dort begannen.

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Neue psychoaktive Substanzen (NPS) nehmen zu

In den letzten Jahren gilt die besondere Aufmerksamkeit der Bundesregierung auch neuen psychoaktiven, meist synthetischen Stoffen. Diese werden gelegentlich auch „Designerdrogen“, Research Chemicals oder fälschlicherweise Legal Highs genannt. In ihrem 2011 veröffentlichten Briefing „Drogen im Blickpunkt“ definiert die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) diese Substanzen als neuen Suchtstoff oder psychotropen Stoff in reiner Form oder als Zubereitung, der nicht nach dem Einheits-Übereinkommen der Vereinten Nationen von 1961 über Suchtstoffe oder dem Übereinkommen der Vereinten Nationen von 1971 über psychotrope Stoffe kontrolliert wird, welcher aber eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellen kann, vergleichbar mit den Substanzen, die in diesen Abkommen aufgelistet sind. Es handelt sich hierbei um bislang unbekannte oder aber bekannte, nicht in Verkehr gebrachte Stoffe, die dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) teilweise noch nicht unterstellt sind.

In den letzten Jahren sind immer wieder neue derartige Substanzen aufgetaucht: Die EBDD hat im Rahmen des europäischen Frühwarnsystems zwischen 2005 und 2011 mehr als 164 neue psychoaktive Substanzen ermittelt. In den Jahren 2012 und 2013 wurden Rekordzahlen von 73 bzw. 81 erstmalig entdeckten Substanzen gemeldet und in 2014 weiterhin eine Substanz pro Woche. Synthetische Cannabinoide und synthetische Phenylethylamine/Cathinone machen seit 2005 zwei Drittel aller neuen Substanzen aus, die über das Frühwarnsystem gemeldet werden. Zudem gibt es vermehrt Meldungen über Substanzen aus eher seltenen chemischen Gruppen. Oft ist bei diesen Stoffen die chemische Struktur bereits unterstellter Betäubungsmittel so verändert, dass der neue Stoff nicht mehr dem BtMG unterliegt. Die für Missbrauchszwecke geeignete Wirkung auf die Psyche bleibt jedoch erhalten oder wird sogar verstärkt. In Deutschland wurden bereits Todesfälle bekannt, bei denen der vorherige Konsum einer oder mehrerer dieser neuen psychoaktiven Substanzen nachgewiesen werden konnte.

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Drogentodesfälle: erneuter, wenn auch geringer Anstieg

Nach den rückläufigen Trends der letzten Jahre und einem moderaten Anstieg im Jahr 2013, sind im vergangenen Jahr in Deutschland leider erneut mehr Menschen an den Folgen des Konsums von illegalen Drogen gestorben. In 2014 waren dies 1.032 Menschen, die an den direkten oder indirekten Folgen des Konsums illegaler Substanzen gestorben sind, rund 3% mehr als im Jahr zuvor. Es ist nicht möglich, diese Entwicklung auf einzelne Ursachen zurückzuführen, zumal es auch zwischen den Bundesländern regionale Unterschiede gibt, die nicht mit einfachen Erklärungen zu begründen sind. Die Anzahl der Drogentodesfälle ist gegenüber 2013 in den meisten Bundesländern angestiegen. So etwa in Rheinland-Pfalz mit dem größten Anstieg, aber auch in Schleswig Holstein, Baden Württemberg und Bayern, während es aber auch Rückgänge gab, wie in Hessen oder Nordrhein-Westfalen. In den Neuen Bundesländern gibt es ebenfalls eine rückläufige Tendenz.

In Großstädten, wo sich üblicherweise die Drogenszene und damit auch die Drogentodesfälle konzentrieren, gibt es ebenfalls eine unterschiedliche Entwicklung. So besteht ein weiterer Anstieg in Berlin, wo nach wie vor in den letzten Jahren weit mehr als 100 Todesfälle zu verzeichnen sind. Weitere Anstiege gibt es in München, während die Zahl in Nürnberg wieder leicht sinkt.Eine deutliche Abnahme im Vergleich zum Vorjahr ist beispielsweise in Frankfurt oder Köln festzustellen. Eine ebenso deutliche Zunahme aber gab es in Mannheim oder Düsseldorf.

Diese Schwankungen müssen jedoch in erster Linie auf die geringen Fallzahlen bei den Drogentodesfällen in den einzelnen Ländern zurückgeführt werden. Dies ist wichtig, denn vorschnelle Rückschlüsse aus diesen Fallzahlen werden den intensiven Bemühungen der Länder in der Drogenpolitik nicht gerecht. Dazu ist der Lebensverlauf von Suchtabhängigen und das gesundheitliche Geschehen um die Abhängigkeit zu vielschichtig.

Auch wenn man aus der Praxis weiß, dass durch die Angebote zur Schadensreduzierung, wie Hilfsangebote zur Substitution und zur Überlebenshilfe, wie die in einzelnen Regionen Deutschlands seit mehr als zehn Jahren gut etablierten Drogenkonsumräume viele mögliche Todesfälle verhindert werden können - und es zudem in diesen Einrichtungen selbst keine Todesfälle gab -, kann daraus kein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Gesamtentwicklung der Todeszahlen und solchen Hilfsangeboten abgeleitet werden.

Alle bewährten Ansätze in der Suchthilfe müssen fortgesetzt werden, um noch mehr über Risiken des Konsums illegaler Drogen und riskante Konsumformen aufzuklären und Hilfsmöglichkeiten noch besser erreichbar zu machen. Das gilt insbesondere auch für Amphetamine und Methamphetamin ("Crystal Meth"), deren Konsum insbesondere dann sehr riskant ist, wenn er durch das Injizieren erfolgt. Dies hat zu mehreren Todesfällen geführt, die in der Ursachenstatistik für Drogentodesfälle auftreten: so starben 2014 durch den Konsum von Amphetaminen 21 Menschen, 31% mehr als im Vorjahr und 9 durch Methamphetamin ("Crystal Meth").

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Beratung und Behandlung

Ein Verzeichnis der Suchtberatungsstellen nach Bundesland findet sich auf der Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Die Einrichtungsdatenbank der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen enthält darüber hinaus alle wichtigen Informationen zu den bundesweit über 1800 ambulanten Suchtberatungsstellen und 800 stationären Suchthilfeeinrichtungen. Es besteht die Möglichkeit, "maßgeschneiderte" Hilfeangebote mit detaillierten Informationen zu den Einrichtungen zu finden.

75.400 Opiatabängige erhalten laut Substitutionsregister in Deutschland eine Substitutionsbehandlung (Stand: 1. Juli 2012). Durch die Behandlung mit einem Ersatzstoff, zumeist Methadon, haben die Betroffenen die Chance, sich zunächst gesundheitlich und sozial zu stabilisieren und sich dann beruflich zu rehabilitieren.

Darüber hinaus bieten zahlreiche Einrichtungen in Deutschland schadensreduzierende Maßnahmen an.

Eine weitere Plattform, die Menschen mit aussagekräftigen Informationen über Opiatabhängigkeit und über die Möglichkeiten im Umgang mit dieser versorgt, steht unter www.mytreatmentmychoice.eu bereit. Die in 12 Sprachen verfügbare Seite informiert über verschiedene Möglichkeiten der Genesung, Selbsthilfegruppen und Patientenrechte und enthält persönliche Erfahrungsberichte von ehemaligen Abhängigen, Patienten und Familienmitgliedern."

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Rauschgiftkriminalität

Im Jahr 2012 wurde ein deutlicher Anstieg der Sicherstellungen von  kristallinem Methamphetamin (Crystal) verzeichnet. Mit insgesamt 3.512 Sicherstellungsfällen gab es rund doppelt so viele wie bei Ecstasy. Bei  Amphetamin dagegen wurden auf jeweils hohem Zahlenniveau eine geringere Zahl an Sicherstellungsfällen und eine niedrigere beschlagnahmte
Gesamtmenge verzeichnet.
Deutlicher gestaltet sich der Rückgang der Fallzahl und der Sicherstellungsmenge bei Heroin. Dass allerdings auch im Jahr 2012 große Einzelmengen von Heroin nach und durch Deutschland transportiert wurden,
belegt unter anderem eine Lieferung von 250 kg, die zunächst per Frachtschiff von der Türkei über Frankreich nach Bremerhaven geschmuggelt und nach Umladung und Weitertransport auf dem Landweg schließlich in den Niederlanden sichergestellt werden konnte. Die mit 268 kg größte in Deutschland beschlagnahmte Einzelmenge an Kokain gelangte auf dem Seeweg nach Hamburg, wo es zum Zwecke des europaweiten Vertriebs zwischengelagert wurde.
In weit höherer Frequenz als auf dem Seeweg wurde Kokain per Luftpost oder mittels Flugkurieren aus Südamerika nach Deutschland geschmuggelt. Die Mehrzahl der Sicherstellungen erfolgte im Transit am Flughafen Frankfurt/Main.

Die Herstellung synthetischer Drogen – überwiegend von Methamphetamin – findet in Kleinlaboren statt. 2012 ist die Anzahl der sichergestellten Labore leicht angestiegen. Heroin und Kokain wird vollständig aus dem Ausland bezogen.

Die Zahl der erstauffälligen Konsumenten harter Drogen (EKhD) sank um 8.2 % im Jahr 2012 auf 19.559 Personen im Vergleich zum Vorjahr. Während die Zahlen der erstauffälligen Konsumenten von Heroin, Kokain, Crack und Meth-/Amphetaminen sanken, stieg die Zahl der erstauffälligen Ecstasy-Konsumenten deutlich an.

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Ältere Drogenabhängige in Deutschland

Das Bundesministerium für Gesundheit hat 2009 das Projekt "Ältere Drogenabhängige in Deutschland" gefördert. Zielsetzung war es aufzuzeigen, welche Ressourcen zur Versorgung von älteren Drogenabhängigen in der Drogenhilfe bzw. in den stationären und ambulanten Bereichen der Altenhilfe vorhanden sind.

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Palliativversorgung

Die Verbesserung der Versorgung von schwerstkranken Patienten mit betäubungsmittelhaltigen Schmerzmitteln ist ein besonderes Anliegen der Drogenbeauftragten und der Bundesregierung.

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Heroinspritze liegt auf einem Steinboden.

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