Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung fördern bzw. unterstützen Projekte, um neue Wege und Lösungen für die Behandlung und Prävention von Medikamentenabhängigkeit zu finden.
Studie: Formen der Stresskompensation und Leistungssteigerung bei Studierenden
Seit einigen Jahren berichten Medien verstärkt darüber, dass immer mehr Studierende zu Medikamenten greifen, um ihre Leistung zu steigern oder um Leistungsdruck und Prüfungsstress besser standhalten zu können. Belastbare Daten über die Verbreitung von und die Motivation für Hirndoping unter Studierenden lagen bislang für Deutschland jedoch nicht vor. Entsprechende Berichte beruhten daher in der Regel auf Fallbeispielen oder Beobachtungen von Lehrenden. Eine Untersuchung des HIS-Instituts für Hochschulforschung (HIS-HF) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) liefert nun erstmals repräsentative Erkenntnisse darüber, wie viele Studierende leistungssteigernde Mittel einnehmen und in welchen Situationen sie dies tun. Ein zentrales Ergebnis der heute erschienenen Studie ist, dass Hirndoping unter Studierenden keineswegs so verbreitet ist, wie es die mediale Aufmerksamkeit für das Thema suggeriert: Etwa fünf Prozent der Studierenden in Deutschland sind demnach zu den „Hirndopenden“ zu zählen, d.h. sie nehmen verschreibungspflichtige Medikamente, Schmerzmittel, Beruhigungsmittel, Psychostimulanzien oder Aufputschmittel zur Leistungssteigerung ein. Zudem nehmen diese Studierenden die Substanzen zu einem großen Teil nur sehr selten ein. Insgesamt können die Ergebnisse als beruhigend gewertet werden. Dennoch sollte die Verbreitung von Medikamentenmissbrauch unter Studierenden weiter kritisch beobachtet werden. Die hohe Stressbelastung einiger Studierender verweist zudem auf die Notwendigkeit der Gesundheitsförderung unter Studierenden. Abschlussbericht
Link zur Pressemitteilung zum Bericht "Formen der Stresskompensation und Leistungssteigerung bei Studierenden"
Modellprojekt PHAR-MON
Seit 1988 untersucht das vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Projekt PHAR-MON den Arzneimittelmissbrauch unter Klienten einer Stichprobe von ambulanten Suchtberatungsstellen. Ziel ist es, das Missbrauchs- und Abhängigkeitspotential von Arzneimitteln zu erfassen sowie einen Beitrag zur Identifikation von Trends des missbräuchlichen Konsums zu leisten. Die Auswertungen aus dem Jahr 2009 zeigen, dass überwiegend Klientinnen und Klienten mit einer primären Opioidproblematik Medikamente missbrauchen (59 % der Stichprobe). Bei 21 % liegt eine primäre Alkoholproblematik vor und bei 7 % eine Diagnose im Bereich Sedativa oder Hypnotika. Innerhalb der Hauptdiagnosegruppe „Opioide“ wurde seit 2002 der Trend eines ansteigenden Substitutionsmittel-Missbrauchs beobachtet. Dieser ist seit 2009 wieder rückläufig. Gegenwärtig wird das Projekt vom IFT Institut für Therapieforschung in München in Zusammenarbeit mit 34 Suchtberatungsstellen und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizin-produkte durchgeführt. Um den „Frühwarncharakter“ von PHAR-MON auszubauen, sollen von 2011 an weitere Informationsquellen wie Fachkräfte aus niedrig-schwelligen Einrichtungen für Drogenkonsumenten, Substitutionsärzte, Apotheker, Betreiber von Headshops sowie aus Polizeikreisen miteinbezogen werden.
Modellprojekt „Ambulanter Entzug Benzodiazepin-abhängiger Patienten in Zusammenarbeit von Apotheker und Hausarzt“
Mit dem Modellprojekt „Ambulanter Entzug Benzodiazepin-abhängiger Patienten in Zusammenarbeit von Apotheker und Hausarzt“ soll gezeigt werden, dass durch diese Kooperation Patientinnen und Patienten, die von Benzodiazepinen bzw. Z-drugs niedrigdosig abhängig sind, erfolgreich ambulant entzogen werden können. Die Mehrzahl der Benzodiazepin abhängigen Patienten wird durch die etablierten suchtmedizinischen Angebote nicht erreicht, denn häufig nehmen sie ihre Abhängigkeit nicht als solche wahr. Die meisten Arzneimittelabhängigen sind von Benzodiazepinen abhängig. Es besteht somit ein Bedarf an niedrigschwelligen, dezentralen und kostengünstigen Angeboten speziell für diese Patientengruppe. Das Modellprojekt der berufsgruppenübergreifenden Intervention erfüllt diese Kriterien und trägt zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit bei. Es wurde in zahlreichen Informationsveranstaltungen vorgestellt und stößt bei Ärzten, Apothekern, aber auch Patienten und Patientinnen auf große Resonanz. Das Bundesministerium für Gesundheit fördert das Modellprojekt von November 2009 bis November 2012.
![Logo: Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung - zur Startseite [ALT+1]](/fileadmin/templates/img/misc/dba-logo-190x85.png)