Projekt des Monats

Eltern-Selbsthilfe-Initiative:
Im „Netzwerk für Ratsuchende“ bei Mediensucht schneller Hilfe finden

Im Drogen- und Suchtbericht 2009 der Bundesregierung war erstmals die Rede von bis zu 2,8 Millionen Onlinesüchtigen und ebenso viel Gefährdeten. Der Rückzug in virtuelle Welten wird zunehmend mehr zu einem Problem, doch es gibt im Verhältnis zu diesen Zahlen viel zu wenig Anlaufstellen, bei denen man Hilfe finden kann. Onlinesucht wird meist von den betroffenen Familien nach draußen nicht thematisiert. Zu groß ist die Scham, in der Erziehung versagt zu haben, zu groß das völlige Unverständnis, das einem von nicht betroffenen Familien entgegengebracht wird. Die gemeldeten Fallzahlen bei den Beratungsstellen täuschen über die immense Dringlichkeit dieses Problems hinweg, denn nach unserer Beobachtung ist die Dunkelziffer weitaus höher.

Auch uns war bis zum Jahresanfang 2007 der Begriff Onlinesucht / Onlinerollenspielsucht noch völlig unbekannt. Bis zu dem Tag, als wir erfuhren, dass unser erwachsener Sohn, Informatikstudent und 600 km von uns entfernt, dem Onlinerollenspiel „World of Warcraft“ vollkommen verfallen war. Nach ausführlichen Recherchen wurde uns klar, dass dies wahrlich kein Einzelfall ist, sondern dass zum damaligen Zeitpunkt in Deutschland geschätzte 1,5 Millionen Menschen von dieser Sucht betroffen waren. So haben wir die Internetplattform www.rollenspielsucht.de - eine Initiative betroffener Eltern – erstellt, die sich mittlerweile zu einem viel frequentierten Selbsthilfeportal für Onlinerollenspielsüchtige und deren Angehörige entwickelt hat. Wir haben es uns mit unserer Elterninitiative zur Aufgabe gemacht, auf dieses Thema aufmerksam zu machen, andere zu informieren und umfassend aufzuklären, um ein Problembewusstsein in den Familien zu schaffen. Unser Motto: Wissen schützt.

Seit 08.05.2007 haben über 725.000 Erstzugriffe auf rollenspielsucht.de stattgefunden (Stand Dezember 2010) und tagtäglich gehen viele Hilferufe bei uns ein. Nur ein Beispiel von Vielen: „Mein Sohn (15 Jahre) ist computerspielsüchtig. Er geht nicht mehr zur Schule. Darauf habe ich das Internet für ihn gesperrt. Keine Schule- kein Internet. Er ist jetzt zu seinem Vater gezogen, dort kann er spielen bis zum Umfallen. Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll. Ich habe totale Angst, dass mein Sohn jetzt endgültig abrutscht. Was kann ich tun?“ Verzweifelte Angehörige und auch ausstiegswillige Betroffene wissen oft gar nicht, an wen sie sich mit ihrem Problem wenden können. Wir haben den Anspruch, jedem, der sich hilfesuchend an uns wendet, eine Adresse zu nennen, bei der er Unterstützung findet. So reifte allmählich die Idee, sämtliche für Mediensucht zuständige Stellen in einer umfangreichen, für alle zugänglichen Datenbank zu sammeln. So ist das „Netzwerk für Ratsuchende“ entstanden, damit Familien und Betroffene schneller Hilfe finden können. Stand Dezember 2010: Über 300 Sucht- und Beratungsstellen, Kliniken, Ambulanzen, Therapeuten, Netzwerke, etc., im deutschsprachigen Raum, die an diesem Thema arbeiten und Hilfe anbieten können, haben bereits ihre Angebote und ausführliche Informationen eigenständig eingetragen. Auch Offline-Alternativen können gefunden werden. Ganz besonders wichtig finden wir, dass Betroffene und Angehörige sich hier für die Gründung einer Selbsthilfegruppe eintragen oder nach bereits bestehenden Gruppen suchen können.

Nach wie vor ist die Onlinesucht noch immer nicht als Krankheit anerkannt. Mehr als zwei Millionen Menschen sind davon betroffen und das Leid in den Familien ist groß. In den Foren bei www.rollenspielsucht.de ist eindrücklich nachzulesen, wie verheerend die Auswirkungen dieser nach wie vor nicht anerkannten Krankheit sind, nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für deren Angehörige. Trotzdem wird diese Thematik auf breiter Ebene nach wie vor nicht ernst genommen. Noch fehlt bei Vielen die Vorstellungskraft, was in den Familien wirklich los ist.

Im September 2008 haben wir das Selbsthilfeportal AKTIV GEGEN MEDIENSUCHT als Verein gegründet (www.aktiv-gegen-mediensucht.de), eine „Initiative zur Verhinderung von Mediensucht durch aktives Handeln“ mit dem Motto: „Der Missbrauch von elektronischen Medien soll so unpopulär wie Alkohol- und Drogenmissbrauch werden.“ Über den Verein sollen z. B. von ehemals Betroffenen und Angehörigen Selbsthilfe- und Beratungsgruppen etabliert werden und wir sind auf aktive Mitarbeit bei unseren Projekten angewiesen, besonders von denjenigen, die dieses Problem aus leidvoller eigener Erfahrung heraus bis in die Tiefe verstehen. Wir wollen eine Lobby für Familien und Kinder schaffen.

Eltern, die frühzeitig darüber aufgeklärt werden, was passieren kann, wenn das Kind die Kontrolle über seinen PC-Konsum verliert, können aufmerksamer beobachten, sich rechtzeitig einmischen und bei Bedarf konsequent handeln, damit es gar nicht erst dazu kommt.


Haben Sie Fragen zur Eintragung im Netzwerk für Ratsuchende?
Schreiben Sie bitte an:
Christoph.hirte@rollenspielsucht.de

Adresse:
www.rollenspielsucht.de
c/o Ch.Hirte
Hermann-Hummel-Str. 25
82166 Gräfelfing bei München

Weitere Informationen bei:

www.rollenspielsucht.de
www.aktiv-gegen-mediensucht.de
www.netzwerk-fuer-ratsuchende.de


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