Projekt des Monats

Projekt des Monats- Beratung und Selbsthilfe für russischsprachige Angehörige von Menschen mit Suchtproblemen

Für russischsprachige Eltern und deren Angehörige, die sich mit den Suchtproblemen oder der Drogenabhängigkeit ihrer Töchter oder Söhne bzw. Angehöriger konfrontiert sehen, ist es oft schwierig, geeignete Unterstützung zu finden. Dieser Personenkreis verfügt in der Regel nicht über die ausreichenden erforderlichen Kenntnisse der Hilfsangebote von zuständigen regionalen Behörden und Institutionen. Ebenfalls sind diese Eltern nicht ausreichend über Hilfen und Angebote von Einrichtungen und Vereinen in freier Trägerschaft informiert.

Zusätzlich erschwerend wirkt sich aus, dass diese Menschen aus den ehemaligen GUS Staaten, in der Regel ein großes Misstrauen gegenüber Behörden und Diensten im Kontext einer Suchtproblematik kennzeichnet. Daraus resultieren weitere Schwierigkeiten für die Inanspruchnahme von spezifischen Hilfen und Angeboten für Eltern, deren Kinder Drogen missbrauchen.

Auch bei der Beratung von Eltern Drogenabhängiger ohne Migrationshintergrund ist umfänglich bekannt, dass diese Hilfe oft aufgrund von Scham- und Schuldgefühlen und befürchteter Offenlegung dieses „Familienmakels“ nur bedingt in Anspruch nehmen. Stattdessen ersuchen die Eltern zunächst isoliert bzw. anonym oder nur im Rahmen ihrer eigenen ärztlichen Behandlung um Rat und wenden sich auch häufig an kommerzielle Angebote zur Suchtbehandlung, die in russischen Medien für sich werben.

Dass dieser Personenkreis russischsprachiger Eltern besonderer Hilfen bedarf, ist in Fachkreisen seit langem bekannt. Ein entscheidendes Merkmal der Zugangsverbesserung ist hierbei die russische Sprachkompetenz und die gemeinsame Erfahrung, vergleichbarer gesellschaftlicher und historischer,  alltäglicher Lebensbedingungen auf Seiten der „Helfer“. Die vista gGmbH setzt sich seit vielen Jahren aktiv dafür ein, dem benannten Personenkreis adäquate Hilfsangebote zu offerieren. Dazu gehört auch die kultursensible muttersprachliche Beratung von KlientInnen mit Migrationshintergrund in den diversen Beratungseinrichtungen der vista gGmbH.

Die professionellen Hilfsangebote der Suchtberatungsstellen von vista werden seit 2005 durch die Arbeit der Elternselbsthilfe in russischer Sprache in sinnvoller Weise ergänzt. Eine enge Zusammenarbeit der Elternselbsthilfe mit den Beratungsstellen für Suchtmittelabhängige der vista gGmbH und anderen Hilfsangeboten des Suchthilfesystems ist zentraler Bestandteil des Konzepts. Zusätzlich kooperiert die Elternselbsthilfe mit der Arbeitsgemeinschaft Drogenprobleme e.V., welche sich seit 1976 der Gruppenarbeit und Beratung von Eltern drogenabhängiger Töchter und Söhne widmet. Die Elternselbsthilfe in russischer Sprache arbeitet seit 2005 – zunächst auf ehrenamtlicher Basis – nunmehr sieben Jahre. Wesentliche Impulse und Aktivitäten gingen und gehen von einem selbst betroffenen Vater, Herrn Dubrovskij, aus, welcher mit großem Engagement Hilfen und Beratung anbietet. Seit 2009 ist Herr Dubrovskij bei der vista gGmbH beschäftigt.

Herr Dubrovskij berät seit vielen Jahren Angehörige in russischer Sprache, vor dem Hintergrund eigener leidvoller Erfahrungen von Sucht in seiner Familie, dem eigenen Migrationsprozess und umfänglicher Erfahrung in der Beratung ratsuchender Menschen. Diese Beratung findet in Einzelgesprächen und in Selbsthilfegruppen an verschiedenen Standorten von Berlin statt. Zusätzlich berät Herr Dubrovskij telefonisch viele russischsprachige Eltern aus dem Bundesgebiet, die über russische Medien von seinem Angebot Kenntnis erhalten haben.

Die Beratung im Rahmen des Projektes Elternselbsthilfe für russisch sprechende Angehörige von suchtgefährdeten bzw. suchtkranken Töchtern und Söhnen umfasst folgende Tätigkeitsfelder:

  • Beratung von Angehörigen russischsprachiger Suchtmittelkonsumenten

Die individuelle muttersprachliche Beratung durch eine selbstbetroffene Person ergänzt die bestehenden Beratungsangebote der Suchtberatungsstellen. Es finden regelmäßig Sprechstunden für Angehörige und angeleitete Selbsthilfegruppen statt. Ziel ist es, Angehörige suchterkrankter Menschen in die vorhandenen bzw. aufzubauenden Selbsthilfegruppen zu vermitteln und auch die suchtmittelabhängigen Angehörigen zur Wahrnehmung professioneller Beratungs- und Behandlungs-angebote zu motivieren.

  • Entwicklung und Verbreitung von russischsprachigem Informationsmaterial für Angehörige

Geeignete Informationsmaterialien für die Zielgruppe werden gegebenenfalls übersetzt. In Kooperation mit Beratungsstellen werden bei Bedarf auf die Problemlagen der Zielgruppe neue Informationsmaterialien entwickelt und verbreitet. So ist in Zusammenarbeit von Michail Dubrovskij mit Fachleuten aus der Suchthilfe der vista gGmbH eine Informationsbroschüre entstanden, die eine realistische Vorstellung von den Bedingungsfaktoren und möglichen Folgen des Drogenkonsums vermittelt. Michail Dubrovskij, selbst aus der ehemaligen Sowjetunion emigriert, lässt seine persönlichen Erfahrungen als betroffener Vater einfließen und schreibt in einer Sprache und Herangehensweise, die den Vorstellungen von Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion entgegen kommt. Die Broschüre spricht nicht nur die Personen an, die sich informieren möchten, sondern auch Menschen, welche schon mit Drogenproblemen im sozialen oder familiären Umfeld konfrontiert sind.

  • Ausbau und Anleitung russischsprachiger Angehörigenselbsthilfegruppen

Die Erfahrungen mit bereits existierenden Selbsthilfegruppen für russischsprachige Angehörige zeigen, dass diese auf eine kontinuierliche Anleitung angewiesen sind. Die kontinuierliche Begleitung dieser Gruppen ist Teil der konzipierten Beratungsarbeit. Regelmäßiger fachlicher Austausch mit der professionellen Suchthilfe ist alleine im Rahmen von ehrenamtlichem Engagement solcher Gruppen nicht zu gewährleisten. Neben der Weiterführung und inhaltlichen Weiterentwicklung der bestehenden Gruppen sollen im Rahmen der Förderung neue Gruppenangebote für Angehörige entwickelt und begleitet werden.

 

  • Vernetzung russischsprachiger Selbsthilfeangebote

Um die inhaltliche Weiterentwicklung der Selbsthilfegruppen sicherzustellen aber auch um Qualitätsstandards sicherzustellen, ist die Integration der Gruppen in entsprechende Netzwerke unabdingbar. Für die Arbeit in russischsprachigen Angehörigengruppen soll im Rahmen des Konzeptes die Vernetzung mit weiteren Angehörigengruppen gesucht werden.

 

Vorgespräche und Sprechstunden finden statt:

Kontakt:

Michail Dubrovskij

Mo – Fr von 9:00 -  17:00 Uhr

Tel.: 0152 / 033 61 275

Tel.: 030 / 290 27 81 89

 

vista – Drogen- und Suchtberatung Marzahn-Hellersdorf

Allee der Kosmonauten 47, 12681 Berlin

Dienstag 12:00 – 15:00 Uhr

Donnerstag 09:00 – 12:00 Uhr

 

vista – WIGWAM

Stromstraße 47, 10551 Berlin

Mittwoch 17:00 – 19:00 Uhr

 

StadtRand – Kontakt- und Beratungsstelle Mitte

Perleberger Straße 44, 10559 Berlin

Donnerstag 14:30 – 17:00 Uhr

 

Selbsthilfegruppe findet statt:

vista – Drogen- und Suchtberatung Marzahn-Hellersdorf

Allee der Kosmonauten 47, 12681 Berlin

Jeden 3. Dienstag im Monat 18:00 – 20:30 Uhr

 

StadtRand – Kontakt- und Beratungsstelle Mitte

Perleberger Straße 44, 10559 Berlin

Jeden 2. Donnerstag im Monat 18:00 – 20:30 Uhr 

 

Geschichte des Projekts:

2000                                     

Beginn der Beratung von Eltern in russischer Sprache

 

2001 - 2003                        

Elternberatung im Rahmen des Projektes „Netzwerk Drogen- und Suchtprobleme in der Integrationsarbeit mit Spätaussiedlern in Berlin“ gefördert von dem Bundesministerium des Innern

 

2001                                     

Aufbau der ersten Selbsthilfegruppe in Zusammenarbeit im Rahmen o. g. Projektes in Berlin Schöneberg

 

seit 2001                              

Parallel Sprechstunde als zusätzliches Angebot für Eltern und Angehörige in russischer Sprache

 

2003                                     

„Umzug“ der Selbsthilfegruppe nach Marzahn                                                Beginn der Kooperation mit BOA e.V. und SHK Marzahn, in den Räumlichkeiten Helene-Weigel-Platz 10 und Alt-Marzahn 59

 

2006 – 2008                        

vista beantragt und führt das Projekt WAHCCHANCE- bessere Chancen für russischsprachige Menschen mit Suchtproblemen- durch. Beratung, Selbsthilfegruppen etc. in enger Kooperation mit Suchtberatungsstellen von Berlin

 

seit 2006                              

Zweite Selbsthilfegruppe in SHK Mitte (im Rahmen des Projektes WAHCCHANCE)

 

seit 2009        

Beschäftigung von Herrn Dubrovskij für die Aufgaben der Elternselbsthilfe bei vista gGmbH. Arbeit an ver-schiedenen Standorten von Berlin.

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