WHO-Studie zum Thema Cannabiskonsum

Gesundheits- und Sozialeffekte des nichtmedizinischen Gebrauchs

Eine internationale Expertenkommission unter Vorsitz des schwedischen Gesundheits-und Sozialministers tagte im April 2015, um die Forschungsergebnisse bezüglich der Auswirkungen auf den Menschen bei Cannabiskonsum - sowohl psychisch als auch gesamtgesundheitlich betrachtet– zusammen zu tragen.
Im Fokus standen die gesundheitlichen und sozialen Einwirkungen bei nichtmedizinischem Gebrauch von Cannabis, speziell bei jungen Menschen und Langzeitkonsumenten.
Forschungsergebnisse einer Vielzahl internationaler Wissenschaftler werden in der vorliegenden aktuellen Studie zusammengefasst und die Einwirkungen durch regelmäßigen nicht-medizinischen Cannabiskonsum, beispielsweise auf Gehirn und Atemwege aufgeführt.

Allgemeine Informationen:

  • 2014: Weltweit konsumieren 181,8 Mio. Menschen zwischen 15 und 64 Jahren Cannabis aus nicht-medizinischen Gründen, 13,1 Mio. Menschen gelten als abhängig
  • In den Industrienationen ist der Konsum ungleich höher als in den sog. Entwicklungsländern
  • Die weibliche Cannabispflanze enthält mindestens 750 chemische und 104 anders wirkende Cannabinoide. Der bekannteste Wirkstoff ist das THC („Delta-9-Tetrahydrocannabinol“), welcher hauptverantwortlich für die psychoaktiven Effekte des Cannabiskonsums ist.
  • Die weltweit häufigste Art, Cannabis zu konsumieren, ist das Rauchen von Marijuana. Eine weitere, ansteigende Form des Konsums ist die sog. „Vaporisation“. Beide Formen führen zu einer sehr hohen Konzentration von THC im Blut, welche nach 15-20 Minuten messbar ist und nach ca. zwei bis drei Stunden wieder abfällt
  • In den letzten Jahren ist es durch gezielte Züchtungen in einigen europäischen und US-amerikanischen Staaten zu einem enormen Anstieg der THC-Konzentration in den Cannabispflanzen gekommen: Von ca. 3% bis teilweise 16% oder höher

Risikogruppen und Schutzfaktoren:

  • Primär Männer mit einer eher mäßigen Schulausbildung, keinem Abschluss sowie instabilem Elternhaus sind laut der WHO Studie besonders betroffen
  • Ein funktionierendes Umfeld, insbesondere der Rückhalt der Eltern in der Pubertät, bietet dagegen eine gute Grundlage, abstinent im Umgang mit Drogen und in diesem Fall, Cannabis, zu bleiben. Auch Religionszugehörigkeit und gute schulische Leistungen können die Abstinenz fördern

Kurzzeitfolgen:

  • Cannabis kann zu Panikattacken, kurzweiliger Euphorie, Halluzinationen und Brechreiz führen
  • Bewusstseins-, Verhaltens- und Wahrnehmungsstörungen, verzögerte Reaktionszeiten können auftreten
  • In der letzten Studie der WHO aus dem Jahr 1997 konnte noch nicht eindeutig der Zusammenhang zwischen einem erhöhten Unfallrisiko und Cannabis verifiziert werden, wohin gegen aktuelle epidemiologische Studien belegen, dass Autofahrer, die unter Cannabiseinfluss stehen, ihr Unfallrisiko verdoppeln

Langzeitfolgen:

  • Cannabis kann eine Abhängigkeit verursachen. Bei Personen, die erstmalig Cannabis konsumieren, liegt das Abhängigkeitsrisiko bei 1:10, bei einem tägl. Konsum bei 1:3
  • Eine belegbare Folge ist der Rückzug aus dem alltäglichen Leben, Depressionen, Psychosen / Wahnvorstellungen, allg. Anspannung, erhöhte Selbstmordgefährdung und Krebsrisiken sowie chronisch-obstruktive Bronchitits / Lungenerkrankungen
  • Besonders bei Jugendlichen (14-16 Jahre) sind die negativen Folgen eines regelmäßigen Cannabiskonsums und die daraus resultierende Suchtgefährdung weitaus stärker ausgeprägt, als bei Erwachsenen
  • Auch das Erinnerungsvermögen sowie der IQ leiden unwiderruflich bei dauerhaften Konsum, wie eine Neuseeländische Studie dokumentiert. Darüber hinaus konnten durch MRT Untersuchungen Veränderungen der Hirnstruktur belegt werden.
  • Es gibt Studien, welche den Zusammenhang zwischen einem gesteigerten Infarkt- und Schlaganfallrisiko bereits in jungen Jahren und dauerhaften Cannabiskonsum belegen
  • Auch die Todesrate bei Langzeitkonsumenten ist um ein vierfaches höher als das von abstinenten Personen