World Drug Report

Das United Nations Office of Drug and Crime (UNODC) gibt jährlich den Weltdrogenbericht heraus. Darin werden aktuelle Entwicklungen innerhalb der Mitgliedsstaaten sowie die neuesten Zahlen zum Drogenhandel und Konsum vorgestellt.

Link zum Report 2017

Link zum World Drug Report 2016

Exposé zum World Drug Report 2016

Der jetzt vorliegende Bericht der UNODC erscheint einige Monate, nachdem die Generalversammlung der Mitgliedsstaaten zum dritten Mal über die globale Drogenproblematik getagt hat. Die Mitgliedstaaten kamen überein, sich den neuen und wachsenden Herausforderungen mit dem Fokus auf gesundheitliche Schäden, welche durch Drogenkonsum und Drogenkriminalität entstehen, verstärkt anzunehmen. Dies geschieht u.a. mithilfe gezielter Präventionsprogramme zur Schadensminimierung („harm reduction“), durch den Ausbau alternativer Entwicklungsmöglichkeiten, einer nachhaltigen Drogenkontrollpolitik und der Ausarbeitung zukünftiger Handlungsempfehlungen.

Der diesjährige Report verschafft dem Leser einen komprimierten Überblick über die aktuelle Entwicklung im Bereich Drogenhandel und die gesundheitlichen Auswirkungen des Drogenkonsums, nicht nur in Bezug auf den Einzelnen, sondern im gesamt-gesellschaftlichen Kontext.

  • der Report kommt zu der Erkenntnis, dass der Konsum von Heroin in einigen Regionen der Welt, u.a. Nordamerika wieder besorgniserregend ansteigt und Heroin damit die tödlichste aller Drogen weltweit darstellt,
  • der Bericht weist darauf hin, dass durch den vermehrten Konsum von Stimulanzien (etwa Methamphetamine) die Gefahr von HIV Infektionen wieder ansteigt und dass der Drogenkonsum in Gefängnissen ein erhebliches Risiko für HIV und Hepatitisinfektionen darstellt sowie für durch Überdosis bedingte Todesfälle kurz nach Haftentlassung,
  • durch die Gabe von Substanzen wie Naloxon, welche bei einer Überdosierung Atemdepressionen verhindern, lassen sich Drogentodesfälle reduzieren
  • Er beschreibt den Einfluss von Drogen auf Menschenrechtsverletzungen, Umweltverschmutzung wie Abholzung und neue Handelswege über das sog. „Darknet“,
  • Darüber hinaus wirkt der Drogenhandel vermehrt als Geldgeber für Terrorismus und gewalttätigen Extremismus,
  • Diesen negativen Auswirkungen kann nur dann gezielt entgegengewirkt werden, wenn die lokalen ökonomischen, sozialen und örtlichen Umstände beachtet werden und die Justiz fair, transparent und entschlossen agiert und nicht mit einfachem „Wegsperren“ Abschreckung hervorrufen möchte
  • Erfolgreiche Prävention und Behandlung können laut der Studie nur dann gelingen, wenn sie auf wissenschaftlichen Erkenntnissen unter Berücksichtigung des Gender-Aspektes basieren

Weltweite Zahlen:

  • 247 Mio. Menschen haben 2014 Drogen konsumiert
  • 207,400 Drogentote 2014 (davon sterben die meisten durch den Konsum von Opiaten wie beispielsweise Heroin)
  • 29 Mio. leiden unter Drogenabhängigkeit
  • Nur 1 von 6 Personen ist in Behandlung
  • 12 Mio. injizieren Drogen, davon sind 1,6 Mio. Personen HIV positiv, 6 Mio. leben mit Hepatitis C
  • Cannabis wurde weltweit von 183 Mio. Menschen konsumiert, gefolgt von Amphetaminen (33 Mio. Konsumenten)
  • Seit 2010 steigt der Kokainkonsum weltweit an, speziell in Südamerika

Handel:

  • Die global meist gehandelte und transportierte Droge ist nach wie vor Cannabis, gefolgt von Opiumsamen und Cocapflanzen
  • Die weltweite Opiumproduktion ist um 38% im Jahr 2015 zurückgegangen, verglichen mit dem Niveau aus den 1990er Jahren
  • Afghanistan ist für 2/3 der weltweiten Opiumsaaten-Kultivierung verantwortlich
  • Der noch immer wichtigste Handelsweg für Opiate, besonders Heroin, ist die sog. „Balkan-Route“ welche West-und Zentraleuropa mit den arabischen Ländern verbindet
  • 90 % aller „Drogenkuriere“ sind männlich

Fazit:

  • Eine klare Statistik zu erstellen, fällt selbst Experten aufgrund des Konsums von oftmals mehr als einer Drogensorte schwer
  • Insbesondere aus dem asiatischen Raum gibt es kaum verlässliche Zahlen, obgleich hier der Amphetaminkonsum besonders hoch zu sein scheint
  • Ebenso wie der Report der WHO zum Thema Cannabis bestätigt der World Drug Report 2016 eine Zunahme der Gehalts von THC und der Menschen, die sich aufgrund der Probleme durch Cannabiskonsum in Behandlung begeben

Link zum World Drug Report 2015

Link zum World Drug Report 2014

Link zum World Drug Report 2013

Exposé zum World Drug Report 2017

Pünktlich zum Weltdrogentag stellte UNODC den diesjährigen Weltdrogenbericht vor. Erstmalig wird damit nicht ein umfassender Bericht sondern 5 Booklets vorgestellt. Er verschafft dem Leser einen komprimierten Überblick über die aktuelle Entwicklung im Bereich Drogenhandel und die gesundheitlichen Auswirkungen des Drogenkonsums, nicht nur in Bezug auf den Einzelnen, sondern im gesamt-gesellschaftlichen Kontext. Schwerpunktthema des diesjährigen Berichts ist die Verbindung von Drogenhandel zu organisiertem Verbrechen, Terrorismus, illegalen Finanzströmen und Korruption.

Wichtige Daten:

ca. 255 Mio. Menschen (oder etwa 5% der erwachsenen Weltbevölkerung) konsumieren mindestens einmal jährlich illegale Drogen.

Die Zahl der problematischen Konsumenten ist auf knapp 30 Mio gestiegen.

12 Mio. Menschen sind injizierende Drogenkonsumenten, mit den größten Zahlen in Osteuropa und Südostasien.

190.000 Menschen starben 2015 durch die Folgen des Konsums illegaler Drogen – die Mehrheit aufgrund des Konsums von Opioiden.

Kurzzusammenfassung:

Opioide sind nach wie vor mit Abstand die am meisten Schaden anrichtenden Drogen. Die Produktion von Opium/Heroin bleibt konstant hoch mit ca. 300.000 ha Anbaufläche weltweit, davon allein 200.000 in Afghanistan. Die etablierten drei Hauptdrogenrouten für Opium/Heroin (Nordroute über Zentralasien nach Russland, Balkanroute über Iran und Türkei nach Mittel-/Westeuropa, Südroute über Häfen in Iran und Pakistan nach Afrika und von dort aus zum Großteil weiter nach Europa) sind weiterhin existent. Zunehmende Bedeutung erlangt eine Abzweigung der Balkanroute vom Iran oder der Türkei in die Kaukasus-Staaten und von dort weiter entweder direkt über das Schwarze Meer oder mit dem Umweg über die Ukraine nach Rumänien und Bulgarien zum Weitertransport nach Mitteleuropa. Die Problematik der synthetischen Opioide nimmt zu, vor allem in den USA, die dadurch allein über ein Viertel aller weltweit registrierten Drogentoten stellen, mit erheblichem Anstieg in den letzten Jahren.

Bei Kokain gibt es nach Jahren des Konsum-Rückgangs Anzeichen auf eine wieder steigende Produktion und auch steigenden Konsum. Die steigende Produktion ist fast ausschließlich auf gestiegene Produktion in Kolumbien zurückzuführen. Der gestiegene Konsum ist weltweit, insb. aber auch in Europa registrierbar, nicht zuletzt durch das relativ neue Messinstrument der Abwasseranalyse.

Cannabis bleibt mit 183 Mio. Konsumenten die weltweit meistgebrauchte illegale Droge, mit Marokko und Afghanistan als Hauptexporteuren. Der Bericht geht ausführlich auf die Situation in den USA ein, wo mittlerweile 8 Bundesstaaten und der District of Columbia) Maßnahmen zur Legalisierung ergriffen haben. In Uruguay ist eine entsprechende Gesetzgebung bereits seit 2013 in Kraft, in Kanada ist sie für 2018 zu erwarten, evtl. auch in weiteren US-Bundesstaaten.

Amphetamine sind weiterhin ein expandierender Markt - der Schwerpunkt sowohl von Produktion als auch Konsum von Methamphetamin verlagert sich zunehmend nach Ost- und Südostasien.

Neue psychoaktive Stoffe (NPS) sind ein noch zahlenmäßig kleiner, aber sich weiter differenzierender Markt. UNODC hat derzeit 739 NPS registriert (zum Vergleich: beim ersten UNODC-Bericht zu NPS 2013 waren es noch 250) und stuft ca. 80 davon als dauerhaftes Problem ein.

Anzahl der Konsumenten, die mindestens einmal pro Jahr konsumiert haben (Quelle: World Drug Report 2017, Booklet 1):

Etwa die Hälfte der 12 Mio. injizierenden Drogenkonsumenten sind mit Hepatitis C infiziert, etwa 1,6 Mio. mit HIV, davon 1,3 Mio. mit beiden. 220.000 Drogenkonsumenten sterben jährlich aufgrund ihrer Hepatitis C Infektion, weitere 60.000 sterben aufgrund ihrer HIV Infektion. Es wird ebenfalls auf Gefängnisse als Hochrisikoumgebung hingewiesen.

Organisierte Kriminalitätsgruppen haben ihr Portfolio der illegalen Aktivitäten erweitert. Weniger Gruppen widmen sich ausschließlich dem Drogenhandel. Fast zwei Drittel der Drogenhandelsgruppen, die in Ländern der Europäischen Union operieren, sind auch in anderen Kriminalitätsfeldern wie der Fälschung von Waren, dem Menschenhandel oder dem Schmuggel von Migranten und Waffen aktiv.

Im Jahr 2014 haben transnationale organisierte Kriminalitätsgruppen zwischen einem Fünftel und einem Drittel ihres Umsatzes über den Verkauf von Drogen generiert. Europol schätzt, dass im Jahr 2017 etwa 5.000 international organisierte Kriminalitätsgruppen in Ländern der Europäischen Union aktiv sind, wovon mehr als ein Drittel am Drogenhandel beteiligt sind. Hierarchische top-down-Organisationen sind immer noch die am weitesten verbreitete Art innerhalb der organisierten Verbrechensgruppen in Europa. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass lockere, horizontale Netzwerke immer wichtiger werden. Für 2017 schätzt Europol, dass solche Netze auf 30 bis 40 Prozent der organisierten Verbrechensgruppen entfallen, die in Ländern der europäischen Union aktiv sind.

Die mobilen Kommunikationstechniken schaffen auch neue Möglichkeiten für Drogenhändler. Sie machen den persönlichen Kontakt zum Kunden obsolet. Das Darknet ermöglicht Benutzern, Drogen mit einer Krypto-Währung wie Bitcoin zu kaufen, und die Lieferungen per Post zu erhalten. Typische Käufer sind Freizeit-Nutzer von Cannabis, Ecstasy, Kokain, Halluzinogenen oder NPS. Obwohl das Darknet bisher nur einen kleinen Prozentsatz des Drogenmarktes ausmacht, ist dieser Markt in jüngster Zeit rasch gewachsen.
Drogenkriminalität schädigt Volkswirtschaften auf lange Sicht. Kurzfristig kann ein Zustrom von Drogengeld die Investitionskraft und das lokale Bruttoinlandsprodukt in einem Land steigern. Aber die langfristigen Effekte sind eher negativ, insbesondere wenn drogenbezogene Erträge einen beträchtlichen Teil der Gesamtwirtschaft eines Landes ausmachen. In diesem Szenario hat Drogengeld das Potenzial Immobilienpreise aufzublasen, den Export zu stören, unlauteren Wettbewerb und schiefe Einkommens- und Vermögensverteilung zu schaffen sowie die Korruption zu steigern. Der Aufstieg einer illegalen Wirtschaft hilft, die Rechtsstaatlichkeit zu schwächen und erleichtert Korruption, die wiederum den illegalen Drogensektor stärkt.

Der Bericht zeigt zudem die Verbindung zwischen dem Drogenhandel und der Finanzierung des Terrorismus auf.