Jahrestagung 2017 der Drogenbeauftragten

„Die Kinder aus dem Schatten holen!“

Berlin,  19. Juni 2017

Mehr als 400 Expertinnen und Experten aus ganz Deutschland tagen heute im Berliner Café Moskau, um über den Jahresschwerpunkt der Drogenbeauftragten „Hilfe für Kinder aus suchtbelasteten Familien“ zu beraten. In Deutschland wachsen knapp drei Millionen Kinder in Familien mit mindestens einem suchtkranken Elternteil auf. 2,65 Millionen Kinder sind von der Alkoholabhängigkeit ihrer Eltern betroffen. Über 60.000 Kinder haben mindestens einen opiatabhängigen Elternteil.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler: „Wir müssen den betroffenen Kindern gemeinsam helfen! Vielen von ihnen fehlt eine familiäre Basis aus Stabilität, Geborgenheit und Verlässlichkeit. Die Folgen können dramatisch sein: So ist die Gefahr, selbst einmal suchtkrank zu werden, bei diesen Kindern drei- bis viermal so hoch wie bei Kindern, deren Eltern keine Suchterkrankung haben. Es darf nicht sein, dass in Deutschland betroffene Kinder noch viel zu häufig übersehen werden und keine Hilfe erhalten, um aus diesem Teufelskreis herauszukommen. Hier müssen sich alle bewegen: Kommunen, Länder, Bund, aber auch Kranken- und Rentenversicherung. Ein erster Schritt ist ein funktionierendes Hilfsnetz vor Ort, also eine ernsthafte Zusammenarbeit von Jugendhilfe, Suchthilfe, Öffentlichem Gesundheitsdienst, Ärzten und anderen. Außerdem brauchen wir klare Ansprechpartner für Lehrer und Erzieher in den Kommunen – ich spreche gern von Lotsen. Auch der Bund ist gefragt: Er muss die Zusammenarbeit der Sozialsysteme weiter stärken. Kein Kind darf auf der Strecke bleiben, nur weil es bei der Zusammenarbeit der Kostenträger hakt.“

Eine elterliche Suchterkrankung ist eines der zentralen Risiken für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und kann sich wie folgt negativ auswirken:

  • Nachteilige soziodemografische Bedingungen
  • Soziale Ausgrenzung
  • Vernachlässigung
  • Instabiles Erziehungsverhalten und wenig Verlässlichkeit der Eltern
  • Unsichere Bindung
  • Trennung von der Eltern, Fremdunterbringung
  • Parentifizierung der Kinder
  • Konflikte, Aggressivität und Gewalt in der Familie
  • Bei zweidrittel der Betroffenen kann sich später eine Suchterkrankung oder eine andere psychische Störung entwickeln

Damit die riskanten Einflüsse bestmöglich „abgefedert“ werden, müssen individuelle und familiäre Schutzfaktoren gefördert werden. Die Risiken für die betroffenen Kinder lassen sich durch vielfältige Präventionsmaßnahmen reduzieren, die sich entweder direkt an die Kinder, die Eltern oder die gesamte Familie richten können.
Im Rahmen der Jahrestagung legt die Drogenbeauftrage unter anderem ein Sonderkapitel des diesjährigen Drogen- und Suchtberichtes vor, das sich gezielt der Situation von Kindern suchtbelasteter Familien widmet. Vorgestellt wird auch das vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Projekt KidKit networks, welches Kindern suchtbelasteter Eltern bundesweit ermöglicht, online geeignete Hilfe zu finden.