Pressemitteilung 17. Legislaturperiode

Hilfe für Kinder suchtkranker Eltern

Fußballer Cacau: „Ich hätte Hilfe gebraucht“

In diesen Tagen startet deutschlandweit die Kampagne für ein neues, wissenschaftlich erprobtes Präventionsangebot für Kinder aus suchtbelasteten Familien. Das Programm „Trampolin“ (www.projekt-trampolin.de) wurde am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und an der katholischen Hochschule NRW entwickelt. Botschafter der Kampagne ist der Fußballnationalspieler Cacau vom VfB Stuttgart, der sich auch für die Stiftung Deutsche Kindersuchthilfe engagiert.

Schätzungen zufolge leben in Deutschland 2,5 Millionen Kinder mit einem suchtkranken Elternteil. Diese Kinder und Jugendlichen gelten als Risikogruppe für die Entwicklung eigener Abhängigkeitserkrankungen und anderer psychischer Probleme. Bislang existieren in Deutschland zu wenig Hilfsangebote für sie.

Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und dem Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung in Köln wurde das Präventionsprogramm „Trampolin“ entwickelt, dem Fußballnationalspieler Cacau ein Gesicht gibt. Er stammt selbst aus einer suchtbelasteten Familie und sagt: „Ich hätte Hilfe gebraucht.“ Mit dieser Aussage macht er Eltern und Angehörigen auf der neu gelaunchten Trampolin-Homepage (www.projekt-trampolin.de) Mut, etwas für betroffene Kinder zu tun. Cacau wird auch das Gesicht einer von der Agentur kveln entwickelten Werbekampagne sein. Zur Finanzierung der Kampagne werden noch Sponsoren gesucht.

Dazu erklärt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans: „Kinder suchtkranker Eltern sind großen Belastungen ausgesetzt und brauchen bestmögliche Unterstützung, damit sie mit ihren Problemen nicht alleine dastehen. Es muss sicher gestellt sein, dass Fachkräfte in Kindergärten, Schulen oder anderen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche besonders für diese Problematik sensibilisiert werden. Nur dann können diese Kinder mit den notwendigen Hilfsangeboten wie Trampolin erreicht werden.“

Das Programm „Trampolin“ richtet sich speziell an 8- bis 12-jährige Kinder alkohol- oder drogenabhängiger Eltern und will diese psychisch entlasten und in ihrer Bewältigungsfähigkeit stärken. Das Programm kann in ambulanten Einrichtungen der Jugend-, -Sucht und Familienhilfe zum Einsatz kommen, entweder begleitend zu einer Beratung suchtkranker Eltern oder unabhängig davon. Eine wichtige Strategie des methodisch vielfältigen, neunwöchigen Gruppenangebots ist es, den Fokus auf die Stärken und Ressourcen der teilnehmenden Kinder zu richten. Daher auch der Name: sanft aufgefangen werden und dann höher springen können – dies sollen teilnehmende Kinder suchtkranker Eltern bei „Trampolin“ erleben. Durch die Inhalte des Präventions-programms, die Unterstützung der Kursleiter und der Gruppe erfahren sie, wie sie mit ihrer Situation besser umgehen können und dass es anderen Kindern ähnlich geht wie ihnen. Das Handbuch zum neuen Gruppenangebot „Trampolin“ erscheint in diesen Tagen im Hogrefe-Verlag.

Das Präventionsprogramm „Trampolin“ wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Gesundheit im Rahmen eines Bundesmodellprojekts entwickelt und an 218 teilnehmenden Kindern wissenschaftlich evaluiert. Die Verantwortung für die Entwicklung und Evaluation des Programms lag beim Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf unter der Leitung von Prof. Dr. Rainer Thomasius sowie beim Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP) der Katholischen Hochschule NRW unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Klein. Weitere Experten aus Wissenschaft und Praxis waren ebenfalls maßgeblich an der Konzeption und Evaluation von „Trampolin“ beteiligt. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Kinder von der Teilnahme an „Trampolin“ in vielfältigen Bereichen profitieren. So waren sie auch sechs Monate nach Ende des Kurses im Vergleich zu einer Kontrollgruppe deutlich weniger psychisch belastet und hatten hilfreiches Wissen über Sucht in der Familie und den Umgang damit erworben.

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