Schwanger - Mein Kind trinkt mit! Alkohol - Kein Schluck. Kein Risiko!

Jedes Jahr haben in Deutschland über 10.000 Babys ihren ersten folgenschweren Alkoholrausch schon vor der Geburt.

Circa jede Stunde kommt in Deutschland ein Baby mit unheilbaren Schäden zur Welt, die es sein Leben lang zu tragen hat und die ihm die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben nehmen. Und all das nur, weil seine Mutter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken hat. Eigentlich ist Deutschland ein hochentwickeltes Industrieland mit hervorragender medizinischer Versorgung und guten Bildungschancen.

Und eigentlich sollte man davon ausgehen können, dass es in Deutschland ein ausreichendes Bewusstsein dafür gibt, dass jeder Schluck Alkohol für das Ungeborene ein Risiko bedeutet. Aber Alkoholkonsum in der Schwangerschaft
ist hier noch immer der häufigste Grund für nicht genetisch bedingte körperliche, geistige und/oder psychische Behinderungen.
Mindestens jedes 100. Neugeborene ist von FASD (Fetal Alcohol Spectrum Disorder) betroffen.
Jahr für Jahr sind das über 10.000 Babys.

2.000 - 3.000 haben das Vollbild FAS und man sieht ihnen die Behinderung schon bei der Geburt an. Also tut frühzeitige Aufklärung Not:

Denn das Wissen zu FASD  und seinen gravierenden Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen ist in der Allgemeinbevölkerung,
aber leider auch in Fachkreisen, noch viel zu gering. Trotzt der allgemeinen Überzeugung in Bezug auf Alkoholkonsum in der Schwangerschaft gut informiert zu sein, halten viele gelegentlichen Alkoholkonsum und kleinere Mengen Alkohol in der Schwangerschaft für unbedenklich. Dies zeigt sich auch in einer Befragung der ÄGGF an Berufsschulen. Von 152 Schüler*innen aus medizinischen und sozialen Bereichen hielten sich über 80% für gut bzw. sehr gut informiert. Trotzdem waren nur zwei Drittel der TeilnehmerInnen der Meinung, dass in den ersten 3 Monaten der Schwangerschaft gar kein Alkohol getrunken werden darf. Für die weiteren Monate waren es zwischen 70-75% der TeilnehmerInnen. Deshalb setzten sich deutschlandweit 75 Ärztinnen der ÄGGF im Rahmen ihrer ärztlichen Informationsstunden in Schulen intensiv für mehr Aufklärung und Informationsvermittlung zum Thema Umgang mit und Folgen von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft ein.
Das Motto der 90-minütigen ärztlichen FASD-Informationsveranstaltungen in den Klassen 8-13 an Haupt/Mittel-, Sekundar-, Gesamt- und Berufsschulen zur Gesundheitsbildung lautet:

Schwanger - Mein Kind trinkt mit!

Alkohol - Kein Schluck. Kein Risiko!

Denn FASD ist bei konsequentem Alkoholverzicht in der Schwangerschaft zu 100% vermeidbar.
Deshalb ist es für die Prävention von FASD entscheidend wichtig, junge Menschen schon in den Jahren vor Eintritt einer Schwangerschaft über FASD zu informieren.
Gerade während der Pubertät und Adoleszenz werden entscheidende Weichen für das spätere Verhalten gestellt. Bisher existierte in Deutschland kein systematisches Projekt, das Heranwachsende gezielt über die FASD-Problematik informiert. Auch findet man in den Lehrplänen der allgemeinbildenden Schulen nichts zu FASD-Aufklärung und Prävention. Deshalb setzt das ÄGGF-Präventionsprojekt zur Senkung der zukünftigen FASD-Inzidenz genau hier an. Die 90-minütigen ärztlichen Informationsstunden der ÄGGF zur Gesundheitsförderung und Prävention im Klassenverband unter dem Motto: „Informieren - Motivieren - Kompetenzen stärken“ wurden auf das
Thema „Primärprävention von FASD für Jugendliche im Setting Schule“ ausgerichtet. Begleitend zu den Schülerinnen und Schülern werden auch Lehrkräfte und Eltern der oben genannten Zielgruppen informiert.

Eine besonders hilfreiche Unterstützung im Sinne von „anschauen und begreifen“ bietet hierbei die neue, von einer ÄGGF-Ärztin speziell für den Unterricht entwickelte FAS-Puppe, FASI, die allen 75 ÄGGF-Ärztinnen dank einer Spende von Sternstunden e.V. zur Verfügung steht. Ohne abschreckend zu wirken, zeigt sie viele typische äußere Merkmale eines Babys mit FAS (kleiner Kopf, sehr dünne Arme und Beine, Gesichtsveränderungen mit tief sitzenden Ohren, verkürztem Nasenrücken, inneren Lidfalten, sehr schmaler Oberlippe und fehlender Rinne zwischen Oberlippe und Nase). Sie besitzt einen weichen Stoffkörper, so dass sie sich gut anschmiegt, gerne in den Arm genommen wird und damit positive Emotionen im Sinne von „schützen“ und „verhindern wollen“ hervorruft. FASI war Projekt des Monats 8/2014.

Im Rahmen der dreijährigen Laufzeit des Projekts sollen in 1.200 Informationsveranstaltungen 12.000 - 15.000 TeilnehmerInnen erreicht werden. Bisher wurden in über 700 Veranstaltungen schon circa 10.000 TeilnehmerInnen erreicht. Ziel des FASD-Projektes ist es, in der Gruppe der zukünftigen Elterngeneration ein Bewusstsein für die FASD-typischen schwerwiegenden, lebenslangen Einschränkungen, Behinderungen und Probleme zu schaffen und Handlungskompetenz zu deren sicherer Verhinderung zu vermitteln.

Gleichzeitig wird das Hinterfragen des eigenen Alkoholkonsums angeregt, um einen  kritischen Umgang damit zu fördern.

Die Sensibilisierung und Aufklärung der Zielgruppen über FASD und die Risiken des Alkoholkonsums in der Schwangerschaft erfolgt durch

  • Wissensvermittlung zum Krankheitsbild FASD (Auswirkungen für die Betroffenen, deren Familien/Umfeld und die Gesellschaft)
  • Vermittlung sicherer Strategien zur Vermeidung von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft => FASD

Zusätzlich sollen die TeilnehmerInnen unter dem Motto - Mitmachen und Weitersagen - zu Multiplikator*innen in der Aufklärung über FASD und dessen Verhinderung für ihre Peergroups und darüber hinaus werden.
Botschaft: „Gut zu wissen... absoluter Alkoholverzicht in der Schwangerschaft verhindert FASD zu 100% und kostet nichts!“
Das FASD-Projekt wird vom Institut für Therapieforschung in Kiel (IFT-Nord) wissenschaftlich begleitet und seine Zielerreichung 2016 mittels kontrolliert randomisierter Evaluation überprüft.

Zur Förderung der Nachhaltigkeit erhalten alle Teilnehmer*innen am Ende der Veranstaltung den im Rahmen des Projekts entwickelte Flyer:
Schwanger! Mein Kind trinkt mit Alkohol? Kein Schluck-Kein Risiko!

Besonderer Wert wird hierin neben der Darstellung der unterschiedlichen möglichen Auffälligkeiten und Behinderungen auch auf die Vermittlung von Einschränkungen/Probleme der Betroffenen im Bereich der Sozialkompetenz gelegt. Zur Unterstützung der Handlungskompetenz und multiplikativen Wirkung werden typische Situationen in Form von Bildern und FAQs sowie Handlungsempfehlungen dargestellt.
Dieser Flyer kann von anderen interessierten Organisationen und Institutionen bei der ÄGGF unter aeggf@aeggf angefordert werden.

Abschlussbotschaften zur FASD-Prävention:
Gut zu wissen... absoluter Alkoholverzicht in der Schwangerschaft verhindert FASD zu 100% und kostet nichts!

Jeder kann mithelfen, FASD zu vermeiden

  • Weitersagen! Damit alle über die schwerwiegenden, lebenslangen Folgen von Alkohol in der Schwangerschaft Bescheid wissen
  • Auch mal keinen Alkohol trinken, wenn Schwangere dabei sind
  • Bei Feiern alkoholfreie Drinks und Cocktails bereitstellen
  • Positiv wertschätzen, dass jemand so verantwortungsvoll mit der Schwangerschaft umgeht
  • Einmischen, wenn einer Schwangeren Alkohol angeboten oder sogar aufgedrängt wird! Einfach ein Getränk ohne Alkohol anbieten

Kontakt:

Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung e. V. (ÄGGF)
Pickhuben 2
20457 Hamburg
Tel.: 040 41919490
E-Mail: aeggf@aeggf(dot)de
www.äggf.de

Projektverantwortliche:

Dr. Heike Kramer
Eichenweg 11, 91080 Spardorf/Erlangen
kramer@aeggf.de

Kooperationspartner:

Sternstunden e.V. (www.sternstunden.de /)
FASD-Netzwerk Nordbayern e.V. (www.fasd-netz.de)

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