Februar 2017 - InBetween

InBetween – ein neuer, filmbasierter Ansatz für Prävention

Prävention als Persönlichkeitsbildung soll aus unserer Sicht zunehmend an Bedeutung gewinnen. Deshalb haben wir von der Drogen- und Jugendberatungsstelle des Arbeitskreises Rauschmittel e.V. Lörrach in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern das Präventionsprojekt InBetween geschaffen.

InBetween ist ein filmbasiertes Projekt für dialogische Prävention. Das Projekt besteht aus dem Film „InBetween“, aus einem Handbuch zur Arbeit mit dem Film und ergänzenden Materialien.

InBetween geht von unserer Erfahrung aus, dass missbräuchlicher Rauschmittelkonsum in der Regel vor dem Hintergrund und im Kontext gestörter und unklarer Beziehungen entsteht. Dem entsprechend zeigt InBetween nicht Missstände auf, denen man mit Prävention zuvorkommen will, wie z.B. Drogenabhängigkeit, Alkoholexzesse oder Gewalt, sondern das Projekt weist auf die präventiven Kräfte positiver Beziehungen hin.

Damit meine ich Beziehungen:

-in denen man sich als Person gesehen, angenommen und bejaht fühlt,

-in denen man sich zugehörig und mit den Anderen verbunden fühlt,

-und in denen man sicher sein kann, dass, wenn man sich einmal
daneben benommen hat, man klar und fair konfrontiert wird,
also ohne klein gemacht, abgewertet, beschämt oder
anderweitig in seiner Würde verletzt zu werden

zu den Grundbedürfnissen des Menschen gehört, gehört es aus unserer Sicht zu den stärksten Kräften in der Prävention.

Daher beschäftigen wir uns bei dem Projekt mit der Qualität der Beziehungen, in denen Jugendliche stehen.

Das Projekt InBetween beleuchtet drei Aspekte (siehe unten), die für die Entstehung und für den Erhalt positiver Beziehungen wesentlich sind. Ein freier, offener, und würdevoller Umgang und ein Erleben von Verbundenheit mit anderen Menschen bilden eine wesentliche Grundlage für ein zufriedenes und erfülltes Leben. Sie sind aus unserer Sicht eine echte Alternative nicht nur zu süchtigen Erlebens- und Verhaltensmustern. Sie sind auch eine Alternative zu anderen, letzten Endes vielleicht zu sämtlichen Formen psychosozialer Fehlentwicklung. Ich denke, Martin Buber, ein namhafter Dialogphilosoph, hat dies gemeint, als er sagte: „Krankheiten der Seele sind Krankheiten der Beziehung.“

Stehen Jugendliche in Konfliktsituationen für sich ein und sagen, was sie wirklich denken, auch wenn es von dem abweicht, was die Anderen denken - auch wenn sie dabei unsicher sind, ob sie dann noch dazu gehören?

Oder lassen sie sich von Ängsten leiten, passen sich den Erwartungen der Anderen an, sagen vielleicht „ja“ wenn sie „nein“ meinen, und weichen damit aus in eine Scheinsicherheit? In anderen Worten: Werden sie als Person deutlich und geben sich als die zu erkennen, die sie sind, oder bleiben sie undeutlich und geben sich als jemand, der sie nicht sind?

Jugendliche bleiben meistens dann persönlich undeutlich, wenn sie Angst haben, abgelehnt zu werden. Als Antwort auf diese Angst zeigen wir in dem Film auf nachvollziehbare Art und Weise, dass es auch durchaus gut ausgehen kann, und sogar besser wird, wenn man die Herausforderung annimmt, sich als der/die zu zeigen, der/die man ist, bei aller Unsicherheit.

Wenn Jugendliche über etwas sprechen, und sie haben in der Sache unterschiedliche Sichtweisen und unterschiedliche Standpunkte:

Versuchen sie dann, die jeweils eigene Sichtweise über die des Anderen zu stellen und der Sichtweise des Anderen die Berechtigung abzusprechen? Oder stellen sie ihre Sichtweise dar und interessieren sich auch für die des Anderen? Versuchen sie, sich mit der eigenen Sichtweise hervorzutun und die Sichtweise des Anderen klein zu reden, oder sind sie auch offen dafür, wie der Andere die Dinge sieht?

Damit eine Beziehung positiv werden und bleiben kann ist es nicht nur nötig, dass man sich dem Anderen als der zu erkennen gibt, der man ist. Genauso nötig ist es, sich dafür zu interessieren, wer der Andere ist.

Sind Jugendliche bereit, das Unangenehme, das sie wahrgenommen haben, wahrzuhaben, oder gehen sie lieber darüber hinweg?

Ein Beispiel:
Man erlebt den Ton seines Gesprächspartners als geringschätzig.

Nun muss man sich entscheiden:
Geht man darüber hinweg, und sagt sich beispielsweise: „Ach, da war nichts!“? Dann hat man zunächst nichts weiter damit zu tun, außer dass man sich im weiteren Verlauf des Gesprächs diffus unwohl fühlt.

Oder nimmt man es für wahr, wie man den Ton des Anderen erlebt hat -geringschätzig- und artikuliert dies gegebenenfalls?

Je nach dem, wie man sich jeweils entscheidet, fühlt man sich in seiner Haut, je nach dem gestalten sich die Beziehungen mit den Anderen und je nach dem fühlt man sich darin. Oftmals sind Jugendliche „InBetween“. Die Wahl ist nicht immer einfach.

Mir hat der Film außerordentlich gut gefallen und mir auch Ideen gegeben für eine neue Form der Präventionsarbeit mit Jugendlichen, die ja doch die herkömmlichen "Programme" oft durchschauen und belächeln.

Lehrerin an einem Gymnasium

Der Film ist toll und die Fragestellungen sind die Richtigen. Das ist die Richtung, die Prävention zukünftig einschlagen muss.

Kollegin der kommunalen Kriminalprävention

Mit dem Filmprojekt wollen wir Jugendlichen Anregungen geben,

  • gewohnte Einstellungen zu überdenken,
  • überholte Anpassungen aufzugeben,
  • nicht mehr passende Verhaltensmuster zu verändern und
  • sich gegebenenfalls neue Konfliktlösungsmöglichkeiten zu erschließen.


Das Projekt InBetween kann in allen Kontexten durchgeführt werden, in denen mit Jugendlichen pädagogisch gearbeitet wird: in Schulen, in Jugendzentren, in Internaten, in Einrichtungen der Jugendhilfe, in der kirchlichen Jugendarbeit uvm.

Mit dem Film soll ein Umdenken initiiert werden, was Prävention heißt.

Karin Maßen, Leiterin der Theaterschule, aus der sich die Schauspieler für den Film rekrutierten