Alkoholkonsum in der Schwangerschaft und Fetales Alkoholsyndrom

Alkoholkonsum in der Schwangerschaft schädigt das ungeborene Kind

Schätzungen zufolge kommen in Deutschland jährlich etwa 10.000 Babys mit alkoholbedingten Schädigungen (sog. fetale Alkoholspektrum-Störungen (FASD) auf die Welt. Man vermutet, dass davon mehr als 2.000 Kinder das Vollbild des Fetalen Alkoholsyndroms (FAS), einer schwerwiegenden geistigen und körperlichen Behinderung, aufweisen. Es zählt damit zu den häufigsten bereits bei der Geburt vorliegenden Behinderungen in Deutschland. Allerdings wird die Diagnose FAS viel zu selten gestellt, da die professionellen Helfer im Gesundheitssystem Hemmungen haben, einen diesbezüglichen Verdacht auszusprechen oder zu wenig über das Krankheitsbild informiert sind.

Den Angaben in der S 3 Leitlinie zur Diagnostik des Fetalen Alkoholsyndroms zufolge betrug in Deutschland der Alkoholkonsum während der Schwangerschaft zwischen 14 und 30 Prozent. Bereits geringe Mengen Alkohol können das ungeborene Kind schädigen. Ein vollständiger Alkoholverzicht in der Schwangerschaft ist somit unabdingbar.

Foto: Eine schwangere Frau mit einem Glas Wein

Leitlinie für die Diagnose der Fetalen Alkoholspektrum-Störungen

Im Juni 2016 wurde die Leitlinie zur Diagnose der Fetalen Alkoholspektrum-Störungen (FASD) veröffentlicht. Unter diesem Oberbegriff werden sog. Teilstörungen (FASD) und das Vollbild der Erkrankung, das Fetale Alkoholsyndrom (FAS), zusammengefasst. Damit liegt eine evidenzbasierte Zusammenstellung über die notwendigen diagnostischen Kriterien und relevanten Empfehlungen für FASD bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland vor. Im ersten Schritt wurde 2012 eine Leitlinie für das Vollbild FAS erstellt. Die Leitlinie schafft die Voraussetzung für eine frühzeitige Diagnose und ermöglicht erstmals in Deutschland eine einheitliche Diagnose von FAS bei Kindern und Jugendlichen. Die betroffenen Familien, die häufig Pflege- und Adoptivfamilien sind, erfahren dadurch frühzeitig von der Ursache der Behinderung und können von Anfang an ihren Alltag auf die Besonderheiten des Kindes einstellen und entsprechende Hilfen organisieren. Kinderärzte, Psychologen und Therapeuten können ihre Fördermaßnahmen anpassen und Kindertagesstätten und Schulen können sich besser auf die Kinder mit FAS einstellen. Weiterhin wird es auch für die zuständigen Jugend- und Versorgungsämter leichter, den entwicklungsbezogenen Leistungsbedarf zu ermitteln.

Pocket Guide "Think Kids. Don't drink. Stop FAS"

Die TESS-Ambulanz im Sozialpädiatrischen Zentrum des Dr. von Haunerschen Kinderspitals in München betreut Risikokinder nach einer "ToxinExposition in der Schwangerschaft". Die sehr erfahrenen Fachkräfte dieser Ambulanz haben auch die wichtigsten Fakten zur S 3-Leitlinie der FAS-Diagnose in einer praktischen Kurzform herausgegebenen.

Broschüre „Die Fetale Alkoholspektrum-Störung – Die wichtigsten Fragen der sozialrechtlichen Praxis“

Eine im Frühjahr 2014 aktualisierte Broschüre gibt Antworten auf die wichtigsten Fragestellungen der sozialrechtlichen Praxis in Bezug auf die Fetale Alkoholspektrum-Störung. Die Broschüre richtet sich an alle Berufsgruppen, die über Hilfen für alkoholgeschädigte Kinder entscheiden oder aus anderen Gründen mit ihnen zu tun haben. Sie soll den zuständigen Sachbearbeitern, Familienrichtern, Staatsanwälten, Sozialpädagogen, Beschäftigten in der Wohlfahrtspflege und anderen Fachkräften praktische Hilfestellung im Umgang mit dieser Behinderung geben.

Foto: Ein Comic eines 18 jährigen FASD betroffen, der die Folgen von Alkohol in der Schwangerschaft beschreibt
Benni, 18 Jahre, von FASD betroffener Bewohner im Sonnenhof

Gutachten: Fetale Alkoholspektrum-Störungen (FASD) in der sozialrechtlichen Praxis

FASD-Betroffene sind in vielfältig beeinträchtigt. Sie sind auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Je früher und qualifizierter Hilfen und Leistungen einsetzen, desto größer ist die Chance, den Lebensweg der Betroffenen positiv zu beeinflussen. Denn auch wenn die Schäden, die das Ungeborene durch Alkoholkonsum seiner Mutter in der Schwangerschaft erleidet, nicht heilbar sind, können durch die verstärkte Inanspruchnahme zustehender Leistungen die Folgen der Symptome gelindert und negative Auswirkungen reduziert und aufgefangen werden. Im Sozialrecht finden sich die Grundlagen für eine erfolgreiche Hilfe und Unterstützung der Betroffenen. Das im Auftrag der Drogenbeauftragten der Bundesregierung erstellte Gutachten zeigt, welche Sozialleistungen Menschen in Anspruch nehmen können, die von einer Fetalen Alkoholspektrum-Störung betroffen sind und welche Probleme bei der Umsetzung und Einlösung der Ansprüche auftreten können.

Handbuch „Fetale Alkoholspektrumstörung – und dann?"

Mit Unterstützung der Drogenbeauftragten ist jetzt ein Handbuch erschienen, das sich erstmals speziell an die Betroffenen richtet.