Europäischer Drogenbericht 2019 erschienen

Cannabis bleibt die am häufigsten konsumierte illegale Droge – gerade junge Menschen betroffen

Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) hat heute den jährlich erscheinenden Drogenbericht mit aktuellen Daten zur Situation illegaler Drogen in Europa sowie mit Daten aus Norwegen und der Türkei veröffentlicht. Der Bericht gibt einen Überblick über die neuesten Zahlen zu Drogenkonsum und Trends, Angebot und Märkten sowie Schadensminimierung und Behandlung.

Schätzungsweise rund 96 Mio. EU-Bürgerinnen und Bürger im Alter zwischen 15 und 64 Jahren (29 %) haben mindestens einmal in ihrem Leben illegale Drogen genommen. Dabei konzentriert sich Drogenkonsum vornehmlich auf junge Menschen: So haben im vergangenen Jahr geschätzt 19,1 Mio. der 15 bis 34 Jährigen (16 %) illegale Drogen konsumiert. Im Jahr 2017 verstarben in der EU mindestens 8.238 Personen an einer Überdosis einer oder mehrerer illegaler Drogen. In rund 85 % der Todesfälle durch Überdosierungen spielten Opioide eine Rolle. Cannabis bleibt weiterhin die am häufigsten konsumierte illegale Droge in der EU.

Dazu die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler, MdB: „Der heute vorgelegte Europäische Drogenbericht zeigt, dass vor allem 15-34 Jährige zu illegalen Drogen greifen. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Präventionsanstrengungen gerade bei den Kindern und Jugendlichen weiter intensivieren, die besonders gefährdet sind. Eine dieser Gruppen sind Kinder und Jugendliche, die selbst suchtkranke Elternteile haben. Eine weitere Baustelle sind die gestiegenen Wirkstoffgehalte bei Cannabis und Kokain. Die Verbreitung dieser Substanzen sowie den Handel einzudämmen und gleichzeitig mehr Aufklärung zu leisten muss gemeinsames Ziel aller europäischen Staaten sein!“

Außerdem stellt der Europäische Drogenbericht 2019 eine Reihe digitaler Angebote im Bereich mobile health vor. Diese kommen in der Prävention, Behandlung und Schadensminimierung zum Einsatz. Sie reichen von einfacher Informationsbereitstellung über Hilfsangebote bis hin zu Selbsthilfe-Apps. Jedoch fehlen teilweise noch Qualitätsstandards, Datenschutzbestimmungen und Evaluationen.

Dr. Timm Pfeiffer-Gerschel, Leiter der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht: „Die Digitalisierung schreitet bereits heute mit großen Schritten voran und macht auch vor den Angeboten der Suchthilfe, -beratung und -behandlung nicht Halt. Unser Ziel muss es sein, die hohen Qualitätsstandards, die wir in den Einrichtungen heute haben, auch in das digitale Zeitalter und dessen Instrumente zu überführen. Nur so gelingt es, den Betroffenen ebenso sowie den Expertinnen und Experten auch in Zukunft eine zuverlässige Orientierung zu ermöglichen. Hier wartet einerseits für alle Beteiligten noch viel Arbeit – andererseits gibt es in Deutschland und Europa auch heute schon viele gute Beispiele, von denen wir wechselseitig lernen können.“