LIFE Child-Studie

Die LIFE Child-Studie ist eine in Leipzig durchgeführte Längsschnittstudie, deren Hauptziel die Erforschung der Kindesentwicklung von der Schwangerschaft bis ins Erwachsenenalter darstellt. Kinder und ihre Eltern sind dabei eingeladen, einmal jährlich ein detailliertes Untersuchungsprogramm (bestehend aus medizinischen und entwicklungspsychologischen Untersuchungen sowie Fragebögen zum Lebensumfeld) zu durchlaufen. Bisher haben bereits mehr als 4000 Kinder und Jugendliche an der Studie teilgenommen. Die meisten davon nehmen nicht nur einen, sondern mehrere Studientermine wahr und ermöglichen es dadurch, die individuelle Entwicklung von Kindern über einen längeren Zeitraum zu verfolgen. Aktuell beschäftigen sich die Wissenschaftler der Studie unter anderem mit dem Mediengebrauch von Kindern und Jugendlichen. Durch Fragebögen, die entweder von Kindern und Jugendlichen selbst oder von ihren Eltern ausgefüllt werden, wird erfasst, welche Medien Kinder besitzen und wie häufig sie diese nutzen.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass nahezu 20% der an der LIFE Child-Studie teilnehmenden 10- bis 17-Jährigen mehr als 2 Stunden pro Tag vor dem Fernseher sitzen. Zusätzlich verbringen ca. 15% der befragten Jugendlichen mehr als 2 Stunden vor dem Computer und zwischen 15 und 20% beschäftigen sich mehr als 2 Stunden mit ihrem Handy oder Smartphone. Bei 2- bis 6-Jährigen sind die Zahlen geringer. Trotzdem sehen fast 80% der Vorschulkinder täglich fern und ca. 5-10% der Kinder nutzen bereits Computer und Handys.

Generell zeigen die LIFE Child Daten, dass die Nutzung von Handys in den letzten fünf Jahren rapide gestiegen ist, nicht nur im Jugend-, sondern auch im Vorschulalter. Auch Unterschiede zwischen sozialen Schichten werden bereits im jungen Alter deutlich. Kinder aus niedrigeren Sozialschichten weisen höhere Medienkonsumzeiten auf als Kinder aus höheren Sozialschichten. Die Daten der LIFE Child-Studie zeigen weiterhin, dass ein hoher täglicher Gebrauch von Medien mit mehr Verhaltensauffälligkeiten, schlechteren Schulnoten und mehr Schlafproblemen zusammenhängt, und das unabhängig vom Sozialstatus der Kinder. In weiteren Projekten wird die individuelle Langzeitentwicklung von Viel-Medien-Nutzern im Vergleich zu Wenig-Medien-Nutzern untersucht. Dabei soll auch herausgefunden werden, welche Mechanismen (z. B. innerhalb des familiären und schulischen Zusammenlebens) die gefundenen Zusammenhänge zwischen Mediengebrauch und Verhaltens- sowie Schlafauffälligkeiten erklären könnten. Außerdem soll auch die Prävalenz der Smartphonesucht, einem zunehmend an Bedeutung gewinnenden Krankheitsbild, bei Jugendlichen erfasst werden. Letztendlich besteht ein großes Ziel darin, Richtlinien für einen „guten“ Umgang mit Medien zu gestalten und Kindern, Jugendlichen und Eltern zu kommunizieren.