Peer Projekt an Fahrschulen

Logo des Peer Projektes der Hochschule Magdeburg

Wir haben mit dem PEER – Projekt [an Fahrschulen] die Felder Suchtprävention und Verkehrssicherheitsarbeit zusammengebracht

Initiator des PPF Marcel Christoph im Sonderband „Forum Sucht“ Peer-Projekt an Fahrschulen in Westfalen-Lippe, Oktober 2012, Hrsg.: Landschaftsverband Westfalen-Lippe, LWL-Koordinationsstelle Sucht, Münster; 1. Auflage, Seite 22 - 23

Über die Risiken von Alkohol- und/oder Drogenkonsum und motorisierter Verkehrsteilnahme zu informieren, bevor beides aufeinandertreffen kann, das ist das Ziel des Peer-Projektes an Fahrschulen. Dass beides häufiger zusammentrifft als vermutet, beweist das Phänomen, das in der Unfallstatistik als Diskounfall bezeichnet wird. Party am Wochenende und Autofahren sind zwei Verlockungen, die mit der Volljährigkeit häufig zusammenfallen und diese Altersgruppe zur Hochrisikogruppe im Straßenverkehr machen. Um den Erwerb einer Risikokompetenz zu fördern und die Bedeutung der Punktnüchternheit herauszustellen, gehen junge Menschen in Fahrschulen, um sich mit ihresgleichen über Risiken von Alkohol- oder Drogenkonsum im Kontext Straßenverkehr auseinanderzusetzen. Das seit dem Jahre 2000 existierende Peer-Projekt an Fahrschulen setzt sich für Aufklärung unter Gleichaltrigen zum Thema Alkohol und Drogen im Straßenverkehr ein. 

Junge Menschen werden in den Fahrschulen durch Peer-Einheiten erreicht. Studierende und weitere junge Menschen, die sich zu Peers ausbilden lassen, leiten Diskussionsrunden mit Fahrschüler/innen. Der altersnahe, authentische Ansatz ermöglicht den Peers, mit den Fahrschülern auf Augenhöhe eine zielgruppennahe Diskussion anzuregen.

Themen sind z.B. der eigene Alkohol- und/oder Drogenkonsum, Mythen zum schnelleren Abbau von Alkohol oder Drogen im Körper, Promillegrenzen im Straßenverkehr oder strafrechtliche Folgen. Es werden Alternativen zu einer Rauschfahrt besprochen, damit Diskonächte ohne risikoreiche Autofahrten enden. Die Peers weisen auch auf weitere Konsequenzen hin, die im Falle eines Unfalls auf den Fahrer zukommen würden und den meisten nicht in vollem Umfang bekannt oder bewusst sind: 

  • Medizinisch-Psychologische Untersuchung,
  • versicherungsrechtliche Kosten,
  • der Verlust der Fahrerlaubnis
  • etc.

Die Fahrschüler/innen können anonym Fragen stellen und sich über ihre Erfahrungen mit den geschulten Peers austauschen. So kann die Problematik in einem fruchtbaren Klima bearbeitet und ein „Wir-Gefühl“ mit guten Vorsätzen erreicht werden. Sie äußern sich in den Feedback-Bögen positiv über die Wirksamkeit und Anschaulichkeit der erlebten Peer-Einheit. 89,2 % der 2016 erreichten Fahrschüler/innen in Sachsen-Anhalt bewerten die Peer-Einheit mit der Schulnote 1 oder 2. Eine systematische Evaluation hat auch tatsächliche Effekte im Sinne geringerer Auffälligkeiten unter Alkohol am Steuer nach Teilnahme an einer PEER-Intervention im Verhältnis zu einer Vergleichsgruppe nachgewiesen (1:8, vgl. Christoph, M.E./Heckmann, W.: Das Peer-Projekt an Fahrschulen in Sachsen-Anhalt, Planung, Implementierung und Evaluation eines Konzeptes zur „Punkt-Nüchternheit“, Magdeburg 2005).

Neben Sachsen-Anhalt gibt es das PPF, welches von 2006 bis 2008 als EU-Projekt auch in zehn EU-Ländern implementiert wurde, noch in sieben weiteren Bundesländern. So werden jährlich ca. 10.000 Fahrschüler/-innen bundesweit erreicht. Seit Beginn 2017 gibt es in Sachsen-Anhalt neben Magdeburg und Merseburg noch einen dritten (Hochschul-) Standort in Stendal. Alle 3 Standorte erreichten 2017 in 98 Peer-Einheiten allein 942 Fahrschüler/innen in Sachsen-Anhalt.

Für 2018 ist eine Stabilisierung an allen Standorten geplant. Außerdem wird Ende 2018 das seit 2015 jährlich stattfindende, bundesweite Koordinatorentreffen zum Austausch der einzelnen Standorte in Nordrhein-Westfalen, Gelsenkirchen stattfinden. Durch die unterschiedliche Ausgestaltung in den Bundesländern ist hier ein kontinuierliches Engagement nötig, um gemeinsam Erweiterungs- und Finanzierungsansätze zu finden, die bundesweite Dokumentation anzunähern und das PPF vermehrt publik zu machen!

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