Lotsennetzwerk Rhein-Main

Projektvorstellung

Fr. Müller (Projektkoordinatorin) / Hr. Funcke (Direktor Caritasverband Darmstadt e. V.)

Das Lotsennetzwerk ist ein Projekt der Suchtselbsthilfe. Die Lotsen sind Menschen, die eigene Erfahrungen mit Suchterkrankungen und deren Bewältigung haben. Sie begleiten ehrenamtlich Menschen mit Suchtproblemen, indem sie Therapiewege aufzeigen, bei Übergängen zwischen Behandlungsabschnitten oder im Umgang mit Sozialleistungsträgern unterstützen und in eine Selbsthilfegruppe begleiten.

Vorreiter des Projektes ist das Lotsennetzwerk in Brandenburg und Thüringen. Dort wurde das Lotsennetzwerk mit dem Fachverband Drogen- und Suchthilfe e.V. (fdr) und dem Bundesverband des Kreuzbundes (Fachverband der Caritas) der Suchtselbsthilfe gemeinsam auf den Weg gebracht.

Das Lotsennetzwerk Thüringen konnte im November 2018 sein 10-jähriges Jubiläum feiern. Seit seiner Gründung wurden 800 Menschen von über 120 ausgebildeten Lotsen begleitet.

Erfurt ist dadurch das organisatorische Zentrum des Bundeslotsennetzwerks. Dort treffen sich die Lotsen zweimal im Jahr zum Erfahrungsaustausch und erhalten alle zwei Jahre im Rahmen einer bundesweiten Lotsenschulung aktuelle Informationen zu ausgewählten Sonderthemen.

2015 wurde das Lotsenprojekt auch bei der Caritas Darmstadt auf den Weg gebracht und durch die Aktion Mensch bis zum März 2018 gefördert. Mit großem Engagement und einer neuen Koordinatorin konnte das Projekt seither fortgeführt werden. Dies gelang nicht zuletzt auch durch die große Unterstützung des Caritasdirektors Herrn Funcke und den Vorstand des Kreuzbundes DV-Mainz, welche den Erhalt des Projektes und seine feste Integration in das Suchthilfezentrum Darmstadt erst ermöglicht haben.

Durch das Projekt sollen Menschen erreicht werden, die bisher noch nicht in der Suchthilfe angekommen sind, aber dennoch einen großen Unterstützungsdedarf haben.

Ausgangspunkt sind Entzugsstationen, Reha-Einrichtungen, Beratungsstellen oder Job-Center. Auch in Kliniken, auf Unfallstationen oder internistischen Stationen befinden sich oft Menschen mit einer sogenannten Zweit-Diagnose Abhängigkeitserkrankung.

Die Begleitung und Unterstützung wird aber nicht nur den Betroffenen angeboten, sondern auch den Angehörigen. Diese sind oftmals sehr verzweifelt und wissen nur wenig über Sucht und Abhängigkeitserkrankungen. Durch die dauerhafte Belastung werden deshalb häufig auch die Angehörigen selbst krank und benötigen Unterstützung. Das Projekt bietet ihnen deshalb einen niedrigschwelligen Zugang an.

Ein weiteres Ziel ist die Stärkung der Selbsthilfe. Es ist bekannt, dass die Gruppen in den letzten Jahren immer kleiner und die Besucher älter wurden, die Betroffenen also kaum mehr in den Gruppen ankommen. Studien belegen allerdings, dass der regelmäßige Besuch einer Suchtselbsthilfegruppe die Betroffenen wesentlich stabiler und gesünder ihren Lebensalltag bewältigen lässt.

Wer Lotse werden will, erhält eine vorbereitende Schulung.
Häufig melden sich hierfür besonders engagierte Teilnehmer einer Selbsthilfegruppe. Diese haben meist eine Ausbildung zum ehrenamtlichen Suchtkrankenhelfer hinter sich, sind Gruppenleiter oder engagieren sich bereits im Verband auf unterschiedlichen Ebenen.

Die zukünftigen Lotsen sind sehr daran interessiert, anderen Menschen zu helfen und möchten oft auch die in der Vergangenheit selbst erhaltene Hilfe zurückgeben. Diese gegenseitige Hilfsbereitschaft ist ein wichtiger Grundstein des Projektes und erhält es letztlich am Leben.