„Klar bleiben – Feiern ohne Alkoholrausch“

Regelmäßige Repräsentativbefragungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) verdeutlichen, dass Rauschtrinken unter Jugendlichen ein relevantes Thema ist. Im Jahr 2014 gaben 34,5 % der 16- bis 17-Jährigen an, mindestens einmal im Monat bis zum Rausch zu trinken, d. h. mindestens vier (für weibliche Jugendliche) bzw. fünf (für männliche Jugendliche) alkoholhaltige Getränke zu einer Gelegenheit zu konsumieren. Internationale Studien weisen jedoch beständig auf Gefahren und Risiken hin, die mit dem übermäßigen Konsum von Alkohol verbunden sind, so zählt Alkohol im Jugendalter zu den Hauptursachen für eine reduzierte Lebenserwartung.

Die neue schulbasierte Maßnahme „Klar bleiben – Feiern ohne Alkoholrausch“ zielt darauf ab, Jugendliche in ihrem gewohnten Umfeld zu erreichen und die Vorteile eines verantwortungsvollen Umgangs mit Alkohol – dazu zählt der Verzicht auf Rauschtrinken – zu verdeutlichen. Gefördert wird „Klar bleiben“ als Maßnahme für das Setting Schule im Rahmen der Kampagne „Alkohol? Kenn dein Limit.“ von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit. Mit der Konzeption, modellhaften Umsetzung und Evaluation wurde das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) betraut.

Als Schulklasse gegen den Alkoholrausch

„Klar bleiben“ wurde vom IFT-Nord unter Beteiligung von Expert/innen aus dem Bereich der Suchtprävention sowie Schüler/innen entwickelt und richtet sich an 10. Klassen allgemeinbildender Schulen. Kernelement von „Klar bleiben“ ist eine gemeinsame Verpflichtung einer Schulklasse, für insgesamt neun Wochen auf Rauschtrinken zu verzichten und diesen Verzicht regelmäßig zu dokumentieren. Zu diesem Zweck erhält jede Klasse einen Klassenvertrag, auf dem Schüler/innen der Klasse ihre Absicht festhalten und den sie gemeinsam unterzeichnen:

„Klar bleiben“ setzt dabei auf eine klare Botschaft: Übermäßiger Alkoholkonsum wie Rauschtrinken ist mit vielen negativen Konsequenzen wie verzerrter Wahrnehmung, erhöhtem Unfallrisiko oder peinlichem Verhalten bis hin zu völligem Kontrollverlust verbunden. Mit der Entscheidung, „klar“ zu bleiben und auf Alkoholrausch zu verzichten, wird demgegenüber eine attraktive Alternative vorgestellt.

Gemeinsamer Einsatz – gemeinsamer Gewinn

Während der Laufzeit von „Klar bleiben“ melden teilnehmende Klassen alle zwei Wochen zurück, ob sie sich an die Verpflichtung haben (sie geben damit insgesamt fünf Rückmeldungen ab). Hält eine Klasse die Verpflichtung erfolgreich ein und ist an mindestens vier der fünf Termine „rauschfrei“, so kann sie in einer Verlosung Preise gewinnen.

In der Umsetzung der Maßnahme werden die Klassen außerdem durch Aktionsmappen unterstützt, die u. a. durch eine didaktische DVD und Unterrichtsimpulse zu Themen wie Alkoholwerbung oder Trinkmotiven einen reichhaltigen Fundus zur Integration in den Schulunterricht bietet.

Die Modellphase des Projekts (2015 / 2016)

„Klar bleiben“ wurde im Rahmen einer zweijährigen Modellphase entwickelt, implementiert und durch das IFT-Nord i wissenschaftlich begleitet. Zu diesem Zweck wurden 99 Modellklassen aus allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein zur Teilnahme an „Klar bleiben“ eingeladen. Parallel zu einer Kontrollgruppe (97 Klassen) wurden sie vor und nach der Umsetzung von „Klar bleiben“ zu ihrem Alkoholkonsum befragt, sodass die Entwicklung des Alkoholkonsums über die Zeit verglichen werden kann. Konkrete Ergebnisse der Studie zur Wirksamkeit der Maßnahme sind Anfang 2017 zu erwarten. Aus der Umsetzung von „Klar bleiben“ zwischen Januar und März 2016 liegen erste Erfahrungen zur Akzeptanz vor.

Hohes Interesse und einfache Umsetzung

Die teilnehmenden Schulen haben „Klar bleiben“ sehr positiv aufgenommen und als wertvollen Baustein in der schulischen Suchtprävention betrachtet. Die beteiligten Lehrkräfte empfanden die Aktionsmappe als sinnvolle Unterstützung und lobten die einfache Umsetzbarkeit der Maßnahme. Aber auch für die Schüler/innen zahlte sich die Teilnahme aus: Insgesamt waren in diesem ersten Durchlauf 65 Klassen erfolgreich (d. h. zu mindestens vier der fünf Rückmeldetermine „rauschfrei“), die alle an der Preisverlosung teilnahmen. Den Hauptpreis in Höhe von 1.000 € für eine gemeinsame Klassenaktivität gewann die Klasse 10 cF des Sophie-Scholl-Gymnasiums in Itzehoe. In einer feierlichen Abschlussveranstaltung wurde dieser übergeben.

Weitere Informationen zu „Klar bleiben“ finden sich auf der projekteigenen Homepage: www.klar-bleiben.de und auf Anfrage: klarbleiben@ift-nord(dot)de, Tel: 0431/570 29 38.