Unterstützung für suchtbelastete Familien

Mehr Aufmerksamkeit

Um mehr Aufmerksamkeit auf die Belange von Kindern aus suchtbelasteten Familien zu lenken, hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung 2017 ihren Arbeitsschwerpunkt auf dieses Thema gelegt.

Bei der Jahrestagung der Drogenbeauftragten am 19. Juni 2017 tauschen sich 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Prävention, Beratung, Behandlung, Administration und Forschung über das Thema aus, informieren sich über bestehende Unterstützungsmöglichkeiten und diskutieren neue Ansätze.

Information und Handlungskompetenz

Pädagogische Fachkräfte, die täglich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, brauchen mehr Informationen, um den Hilfebedarf zu erkennen. Der Umgang mit den Kindern und ihren Eltern benötigt Handlungskompetenz. Folgende Informationsmaterialien helfen weiter:

Die Geschichte „Mia, Mats und Moritz“ erzählt von den Alltagsproblemen in einer Familie mit einem suchtkranken Elternteil. Sie erzählt aber auch von den Stärken der Kinder, von ihrem kreativen Umgang mit Schwierigkeiten und davon, dass es nicht immer alleine gehen muss.
Die von der DHS herausgegebene Broschüre wurde von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit gefördert.
Zur Geschichte gibt es ein Begleitheft für Fachkräfte und Ehrenamtliche im Sozial-, Gesundheits- und Bildungswesen sowie für Angehörige zum Umgang mit Kindern suchtkranker Eltern.

www.dhs.de

Die Broschüre der DHS richtet sich an Fachkräfte und Ehrenamtliche im Sozial-, Gesundheits- und Bildungswesen und bietet Praxishilfen und Informationen zu Suchterkrankungen und ihren Auswirkungen auf Familien.

www.dhs.de

Damit nicht „alles total geheim“ bleibt, richtet sich diese Broschüre zum Thema Kinder aus suchtbelasteten Familien in erster Linie an pädagogische Fachkräfte. Die Broschüre wurde als Begleitmaterial für die Fortbildung „Alles total geheim“ entwickelt. Sie enthält Hinweise, wie Kinder aus suchtbelasteten Familien erkannt und unterstützt werden können, sowie Gesprächstechniken für die Kommunikation mit den Eltern.

www.suchtpraevention-sachsen.de

Die Broschüre der Selbsthilfeorganisation „Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe“ in Kooperation mit dem BKK Bundesverband wird in diesem Jahr aktualisiert und neu aufgelegt. Enthalten sind neben Informationen und Projekten zum Thema auch viele Hinweise für Lehrer, Erzieher und andere Betreuungspersonen zum Umgang mit Kindern suchtkranker Eltern.
www.freundeskreise-sucht.de

Kinder stärken - Resilienz fördern

Wie können Kinder so gestärkt werden, dass sie sich trotz schwieriger Lebensumstände gut entwickeln können? Aus der Resilienzforschung lassen sich Faktoren ableiten, die Kindern dabei helfen, besser mit ihrer familiären Situation zurechtzukommen:
• verlässliche Beziehungen zu Erwachsenen
• Verstehen der elterlichen Sucht als Krankheit und der eigenen Schuldlosigkeit daran
• das Wissen und Gefühl, mit diesem Problem nicht allein zu sein
• eigene Interessen und Bedürfnisse wahrnehmen und umsetzen

Unterstützungsangebote für Kinder finden Sie hier:

KidKit ist ein seit 2003 bestehendes internetbasiertes Informations-, Beratungs- und Unterstützungsangebot für Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren, deren Eltern suchtkrank sind.

Aktuell wird eine bundesweite Datenbank mit bestehenden Hilfeangeboten für Kinder und Jugendliche suchtkranker Eltern aufgebaut. Durch eine gleichzeitig entstehende digitale Landkarte auf der Website von KidKit werden auch betroffene Kinder und Jugendliche selbst sowie Fachkräfte und andere Interessierte auf die Datenbank zugreifen können. Diese Erweiterung wird derzeit im Rahmen des Projekts „KidKit networks“ bundesweit entwickelt und auf Initiative der Drogenbeauftragten durch das Bundesministerium für Gesundheit gefördert.

www.kidkit.de (Link zum Video: KidKit-Song)

Von Kidkit führt ein Link zur Webseite der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung e.V. (DAJEB), wo Sie ein umfangreiches Verzeichnis von Beratungsstellen finden.

http://www.dajeb.de/bfonline2.htm

NACOA Deutschland – Interessenvertretung für Kinder aus Suchtfamilien e. V. wurde 2004 in Berlin als offizielle Partnerorganisation der amerikanischen National Association for Children of Alcoholics (NACoA) gegründet.

Der Verein stellt auf seiner Webseite ein umfangreiches Verzeichnis von Hilfsangeboten für Kinder suchtkranker Eltern und ihre Angehörigen zur Verfügung.

www.nacoa.de

Die Landesstelle Sucht in Nordrhein-Westfalen führt in Kooperation mit Schulen und Projektträgern HipHop-Workshops durch. Im Rahmen der Kampagne "Sucht hat immer eine Geschichte" können die Jugendlichen musikalisch und mit Unterstützung professioneller Künstler ihre eigenen Erfahrungen verarbeiten.

Beispielsweise auch über den Schwerpunkt "Sucht in der Familie": Link zum Musikvideo

Kooperation und Vernetzung

Die bestehenden Angebote müssen besser ineinandergreifen. Dabei können Lotsen und Netzwerke helfen, die den fachlichen Austausch zwischen Fachkräften aus dem Erziehungs-, Gesundheits-, Suchthilfe- und Jugendhilfesystem fördern und die Angebote koordinieren. Hier finden Sie Beispiele, wie Kommunen und Länder die Netzwerkbildung fördern und umsetzen:

connect wurde 2003 bis 2005 als Modellprojekt in Hamburg-Altona entwickelt. Seit 2008 entstanden weitere Netzwerke in den übrigen Hamburger Bezirken. connect wendet sich an Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die mit Kindern in den Bereichen der medizinischen Versorgung, der Jugendhilfe, der Suchthilfe, in Kita, Schule und Stadtteil zu tun haben. Die connect-Koordinatorin bzw. der Koordinator in der Region ist die zentrale Ansprechperson für die Netzwerkpartner im Bezirk. Einrichtungen, Projekte und Institutionen rund um Kind und Familie aus allen Arbeitsfeldern einer Region werden eingeladen, am connect-Netzwerk teilzunehmen.
Ziel der Kooperation ist es, betroffene Kinder und Eltern frühzeitig zu erkennen und ihnen angemessene Unterstützung anzubieten. Der familienorientierte Ansatz erfordert eine gemeinsame innere Haltung der beteiligten Helfer. Die Realisierung und Finanzierung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem bezirklichen Fachamt für Jugend- und Familienhilfe. Die connect-Kooperationsvereinbarung bietet einen Rahmen, der Verbindlichkeit und Nachhaltigkeit der Zusammenarbeit erhöht. In kollegialen Fallberatungen können durch die interdisziplinäre Zusammensetzung der Teilnehmenden neue Hilfemöglichkeiten über die Grenzen der einzelnen Arbeitsfelder hinaus entwickelt werden, mit denen die Kollegin bzw. der Kollege im Alltag weiterarbeiten kann.

Schulterschluss fördert die Bildung von regionalen Netzwerken. Als Auftakt wird ein zweitätiges Inhouse-Seminar auf Landkreis- oder städtischer Ebene durchgeführt. Zielgruppen der Seminare sind Mitarbeiter/innen der Jugend- und der Suchthilfe in bayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten. Dabei sind insbesondere die Allgemeinen Sozialen Dienste (ASD), die Koordinierenden Kinderschutzstellen (KoKi), Suchtberatungsstellen, Erziehungsberatungsstellen sowie die familienunterstützenden Hilfen angesprochen. Im Rahmen eines gemeinsamen Kooperationsseminars zum Thema „Kinder suchtkranker Eltern“ wird das Verständnis für die Problemsituationen in den betroffenen Familien und der Kinder gestärkt sowie die Kooperationsbeziehungen zwischen Jugend- und Suchthilfe gefördert. Ziel ist u. a. der gegenseitige Austausch der fachlichen Expertise, einerseits im Hinblick auf die Schwere der Suchtproblematik und andererseits im Hinblick auf die Beurteilung einer möglichen Kindeswohlgefährdung. Ergänzend werden gemeinsam Frühinterventionsstrategien und weitere präventive Angebote für betroffene Kinder, Jugendliche und ihre Familien entwickelt.