Sucht im Alter

Für mich steht die Gesundheit des einzelnen Menschen und der Bevölkerung im Mittelpunkt. Ich engagiere mich für eine gesunde und unabhängige Lebensgestaltung- auch im Alter. Denn riskanter Alkohol- und Medikamentenkonsum gefährdet nicht nur die Gesundheit, sondern auch ein aktives und selbstbestimmtes Leben.

Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Sucht im Alter – ein Thema, dass in der Öffentlichkeit und bei den im Gesundheitswesen Tätigen noch unzureichend wahrgenommen wird. Dabei sind vor allem der Missbrauch und die Abhängigkeit von Medikamenten, aber auch von Alkohol bei Menschen über 60 Jahren verbreitet. Aufgrund des demographischen Wandels wird das Thema an Bedeutung gewinnen und ältere Menschen werden eine immer wichtigere Zielgruppe für die Suchtprävention und Suchthilfe. Eine Sensibilisierung für dieses Thema in der Öffentlichkeit, bei Pflegefachkräften, aber auch bei Familie und Verwandten ist notwendig.

Suchtgefährdete und suchtkranke ältere Menschen brauchen Hilfe und Unterstützung. Werden die älteren Menschen frühestmöglich angesprochen, ist die Chance groß, mit geeigneter Hilfe deren Lebensqualität wieder zu erhöhen oder zu erhalten. Es ist wichtig, die sozialen Ressourcen und die gesundheitlichen Kompetenzen älterer Menschen zu fördern, damit ihnen möglichst lange ein hohes Maß an Selbstbestimmung und Lebensqualität erhalten bleibt.

Allerdings ist Sucht im Alter schwerer zu erkennen. Im Alter leben viele Menschen alleine und haben weniger soziale Kontakte. Eine Suchterkrankung wird daher selten oder oft erst sehr spät, zum Beispiel von Angehörigen oder Ärzten, entdeckt. Sucht bei älteren Menschen ist auch dadurch schwierig zu erkennen, da ihre Symptome typische Begleiterscheinungen des Alters darstellen. So können Stürze, nachlassende körperliche Leistungsfähigkeit, Antriebslosigkeit und Desinteresse oder Stimmungsschwankungen Zeichen einer Sucht sein, aber auch Anzeichen einer Depression, einer Demenz oder ganz normalen Alterns.

In Deutschland sind nach Schätzungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) mehr als 2 Mio. ältere Männer und Frauen rauchen, bis zu 400.000 sind von einem Alkoholproblem betroffen und zwischen 1,7 und 2,8 Millionen ältere Menschen nehmen zu viele so genannte psychoaktive Medikamente wie Schlaf-, Schmerz- oder Beruhigungsmittel ein.