Alternative Entwicklung

Perspektiven schaffen durch Alternative Entwicklung

Für die meisten Kleinbäuerinnen und Kleinbauern ist der Anbau von Drogenpflanzen tatsächlich nur wenig attraktiv. Häufig zählen sie zum ärmsten Segment der ländlichen Bevölkerung. Mit dem Anbau von Drogenpflanzen erzielen sie – wenn überhaupt – nur geringfügig höhere Gewinne als mit anderen, legalen landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Häufig stellen sie aber für die Bauern das einzige Produkt mit garantierter Abnahme durch Zwischenhändler dar, während für andere Agrarerzeugnisse der Marktzugang fehlt. Daneben geht mit dem Anbau von Drogenpflanzen ein hohes Risiko für die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern einher: Staatliche Repression zählt häufig ebenso dazu wie die Willkür von organisierter Kriminalität und Gewaltakteuren, die vielfach die Hauptabnehmer der Ernten sind. Es ist kein Zufall, dass Anbauregionen für Drogenpflanzen meist fernab staatlicher Kontrollinstanzen und häufig in Gebieten mit Präsenz bewaffneter Gruppierungen liegen. Dies ist etwa in einigen Regionen Afghanistans, Kolumbiens und Myanmars der Fall. Klimatische Auswirkungen auf den Anbau von Drogenpflanzen in Monokultur führen dazu, dass die Erträge mittel- bis langfristig abnehmen und das Einkommen aus den ohnehin häufig sehr kleinen Landflächen immer weniger wird. Die betroffenen Familien haben also starke Anreize, ein Leben in der Illegalität und Willkür aufzugeben und legale Alternativen zu etablieren. An diesem Punkt setzt die Entwicklungszusammenarbeit an. 

Die Bundesregierung ist international einer der größten Geber im Bereich der Alternativen Entwicklung. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) verfügt über mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung in diesem Feld und bezieht eine klare Position zum Umgang mit der Drogenanbauproblematik. Alternative Entwicklung basiert auf einem integralen Ansatz der ländlichen Entwicklung. Ziel ist es, die Abhängigkeit der betroffenen Familien vom illegalen Drogenanbau zu senken, indem alternative Einkommensmöglichkeiten geschaffen und die Lebenssituation der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern verbessert werden. Die zentrale Wirkung der geförderten Projekte ist damit die Bekämpfung der strukturellen Ursachen des Drogenanbaus. Dies geschieht insbesondere durch die Diversifizierung landwirtschaftlicher Produktion in den Anbauregionen, in denen die Drogenökonomie bisher die Haupteinkommensquelle darstellt. 

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH berät das BMZ zu Fragen der Drogenanbauproblematik. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit förderte 2017 Maßnahmen der Alternativen Entwicklung in Bolivien, Kolumbien und Myanmar, implementiert durch das UNODC. 

Im Rahmen des Vorhabens Globale Partnerschaft für Drogenpolitik und Entwicklung (GPDE) fördert die GIZ im Auftrag des BMZ den drogenpolitischen Dialog auf internationaler Ebene und setzt bilaterale Beratungsmaßnahmen in ausgewählten Partnerländern um. Schirmherrin des Vorhabens ist die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Die Beratungsmaßnahmen zielen auf einen verbesserten Umgang mit der Drogenanbau- sowie der Drogenkonsumproblematik. In den Jahren 2017 und 2018 wurden die Regierungen Kolumbiens, Myanmar und Thailand beraten und unterstützt. Hinzu kommt die Förderung der wissenschaftlichen Grundlagen für eine evidenzbasierte Drogenpolitik. 

Daneben setzt die GIZ im Auftrag des BMZ und unter der Führung der spanischen Fundación Internacional y para Iberoamérica de Administración y Políticas Públicas (FIIAPP) seit 2011 die Komponente Alternative Entwicklung des EU-Kooperationsvorhabens zur Drogenpolitik mit Lateinamerika und der Karibik (COPOLAD) um. Im Rahmen dieses Vorhabens werden Beratungs- und Pilotmaßnahmen gemeinsam mit den teilnehmenden Ländern der Region durchgeführt. Das COPOLAD-Programm ist 2016 mit einer zweiten Phase gestartet. Im Bereich Alternative Entwicklung wurden seitdem Dialogforen in Bolivien, Kolumbien und Peru sowie Workshops zur Entwicklung landwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten in Ecuador, Mexiko und Paraguay veranstaltet. Neben den Vertretern nationaler Drogenbehörden und Landwirtschaftsministerien aus elf Ländern der Region nehmen auch Vertreterinnen und Vertreter von Erzeugergemeinschaften aus den betroffenen Gebieten, beispielsweise für Kaffee, Kakao oder andere Agrarlieferketten, an den Maßnahmen teil.