Entwicklungspolitische Dimension der globalen Drogenpolitik

Das globale Drogenproblem ist nicht nur durch eine gesundheits- und sicherheitspolitische, sondern auch durch seine entwicklungspolitische Dimension gekennzeichnet. Dies wird am Beispiel des Anbaus von Drogenpflanzen wie Koka, Schlafmohn – den Vorläuferpflanzen für sogenannte harte Drogen wie Kokain, Crack, Heroin und Opium – sowie Cannabis deutlich: Armut und schwache staatliche Institutionen sind zentrale Ursachen für den illegalen Anbau von Drogenpflanzen und die Produktion von Drogen. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in den Anbaugebieten sind meistens betroffen von schlechter Marktanbindung, eingeschränktem Zugang zu Ressourcen wie Land und Wasser, mangelnden öffentlichen Dienstleistungen und Infrastruktur sowie Gewalt und organisierter Kriminalität. 

Der Anbau der Ursprungspflanzen Koka und Schlafmohn findet nahezu ausschließlich in Entwicklungsländern statt. Kokaanbau konzentriert sich auf die Länder Bolivien, Kolumbien und Peru, in denen die Anbauflächen 2016 nach Schätzungen des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) wieder angestiegen sind. Insbesondere in Kolumbien stieg der Anbau gegenüber dem Vorjahr um 52 % auf 146.000 Hektar. Während der Anbau in Bolivien und in Peru in den vorherigen Jahren stetig abgenommen hatte, stiegen die Anbauflächen 2016 auch hier wieder an: In Peru wurden 2016 mit 43.900 Hektar 9 %, in Bolivien mit 23.100 Hektar 14 % mehr Koka angebaut als im Vorjahreszeitraum. 

Der Anbau von Schlafmohn verteilt sich auf Asien und Lateinamerika. Afghanistan ist dabei das Land mit den größten Anbauflächen. Diese stiegen 2016 um 63 % auf ein historisches Höchstmaß von 328.000 Hektar an. In Myanmar wurde nach letzten verfügbaren Zahlen des UNODC 2017 auf 41.000 Hektar Land Schlafmohn angebaut, in Laos auf 5.700 Hektar (2015). In Mexiko betrug die Anbaufläche 2015 nach der ersten offiziellen Schätzung durch das UNODC 24.000 Hektar, rund 600 Hektar wurden in Kolumbien gemessen. Nach Angaben des Weltdrogenberichts 2017 wird Schlafmohn auch in anderen Ländern wie beispielsweise Guatemala, Indien und Iran illegal angebaut, für die bisher jedoch keine offiziellen Schätzungen vorliegen. 

Cannabis wird im Gegensatz zu Koka und Schlafmohn auch in vielen Industrieländern angebaut. Gleichwohl findet der weltweit größte Teil des Anbaus auf freier Fläche in Partnerländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit statt, etwa in Nordafrika sowie in verschiedenen Ländern des Mittleren Ostens, Süd- und Zentralasiens. Nach den verfügbaren Angaben im Weltdrogenbericht 2017 wurde Cannabis unter anderem in Marokko (ca. 47.196 Hektar im Jahr 2013), der Mongolei, Afghanistan, Kirgisistan, Nigeria und Paraguay angebaut. 

Drogenökonomien siedeln sich primär dort an, wo ihnen die strukturellen Rahmenbedingungen einen Nährboden bieten. Für die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern macht sich der Anbau der Drogenpflanzen entgegen der allgemeinen Annahme nur selten bezahlt. Tatsächlich führt dieser oft zur Verstetigung von Armut und geht einher mit Unsicherheit, Korruption und Gewalt. Weiterhin führt der Anbau von Drogenpflanzen in Monokultur häufig zu Umweltproblemen, etwa durch Entwaldung oder Bodenerosion. Für einige Partnerländer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist die ungelöste Drogenproblematik zu einem der größten Entwicklungshemmnisse geworden. Durch die enge Verbindung zwischen Armut, Marginalisierung und der Problematik des Anbaus und der Produktion illegaler Drogen ergibt sich für die Entwicklungszusammenarbeit ein Handlungsauftrag, dem sich nicht ausschließlich mit den in den Konsumländern üblichen polizeilichen und gesundheitspolitischen Maßnahmen begegnen lässt. Für die Entwicklungszusammenarbeit gilt der Grundsatz, an den ursächlichen Entwicklungsbedarfen und nicht nur an den Symptomen von Drogenökonomien anzusetzen. 

Eine weitere Herausforderung für die Länder, in denen Drogenpflanzen angebaut werden, stellt der sich dort entwickelnde Drogenkonsum dar. Galten einige Regionen zunächst überwiegend als Produktionsgebiete, so ist im Laufe der Zeit teilweise ein erhöhter Drogenkonsum bei der lokalen Bevölkerung zu verzeichnen. Auch entlang der Transitrouten zwischen Anbau- und Konsumländern kann eine Zunahme des Drogenkonsums festgestellt werden. Die Querbezüge zwischen Anbau-, Handels-und Konsumproblematik sind vielfältig: Der entwicklungspolitische Zusammenhang, auch mit Themen wie fehlendem Zugang zu Gesundheitssystemen und Schmerzmitteln, muss weiter untersucht werden, um entsprechende Handlungsoptionen zu generieren.