Beratung und Behandlung

In Deutschland ist das Behandlungssystem für Menschen mit suchtbezogenen Problemen und ihre Angehörigen sehr differenziert. Es reicht von Beratung über Akutbehandlung und Rehabilitation bis zu Maßnahmen, die die berufliche und gesellschaftliche Teilhabe fördern. Auch die Selbsthilfe leistet eine unversichtbare Arbeit bei der Bewältigung von Sucht und ihren Folgen.

Beratung, Motivationsförderung und ambulante Behandlung werden vor allem in den ambulanten Beratungsstellen angeboten. Sie sind häufig die ersten Anlaufstellen für Menschen mit Suchtproblemen, soweit diese nicht in der Primärversorgung, also in der Regel durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, behandelt werden.

Hauptgrund für die Inanspruchnahme von ambulanter Beratung und Behandlung sind alkoholbezogene Störungen. Bei den illegalen Substanzen sind Cannabiskonsumentinnen und -konsumenten am häufigsten vertreten. Auch Pathologisches Glücksspiel (PG) als nicht stoffgebundene Sucht ist ein Grund für das Aufsuchen von Suchtberatungsstellen.

Stationäre Behandlung umfasst die Akutbehandlung im Krankenhaus und die (meist) anschließende Entwöhnungsbehandlung in einer Rehabilitationseinrichtung. Auch Einrichtungen der Sozialtherapie, Adaptionseinrichtungen und Therapeutische Gemeinschaften bieten stationäre Behandlung und Nachsorge.

Durch die in den letzten Jahren zunehmende Flexibilisierung der Angebotsstruktur ist es auch möglich geworden, ambulante, teilstationäre und stationäre Behandlungsangebote zu kombinieren, und damit Patientinnen und Patienten bedarfsorientierter zu behandeln.

Auch bei der stationären Behandlung stellen Menschen mit alkoholbezogenen Störungen die größte Gruppe. Danach folgen Cannabis- und Stimulanzien konsumierende. Häufig liegen auch substanzbezogene und andere Komorbiditäten vor. Die Altersstruktur variiert zwischen den verschiedenen Substanzgruppen. Patientinnen und Patienten mit einer Abhängigkeit von Cannabis sind im Mittel am jüngsten, während die alkoholabhängigen Patientinnen und Patienten durchschnittlich am ältesten sind.

In Deutschland gibt es rund 8.700 Selbsthilfegruppen für suchtkranke Menschen und ihre Angehörigen (Jahrbuch Sucht 2018). Das Prinzip der Selbsthilfe basiert auf gegenseitiger Unterstützung. Mit Hilfe von Menschen, die ähnliche Erfahrungen teilen, fällt es vielen Betroffenen leichter, sich zu öffnen, Unterstützung zu suchen und Suchtprobleme zu bewältigen.

Die Selbsthilfe wird durch die Deutsche Rentenversicherung und die gesetzliche Krankenversicherung finanziell gefördert. Neben den regionalen Gruppen erhalten auch Verbände der Suchtselbsthilfe sowie die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) finanzielle Zuwendungen.

  • Was ist Suchtselbsthilfe? Erklärvideo der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS)
Hauptdiagnosen bei ambulanter Behandlung 2016

Die Hauptdiagnosen bei ambulanter Behandlung 2016. 

Hauptdiagnosen bei stationärer Behandlung 2016

Die Hauptdiagnosen bei stationärer Behandlung 2016. 

Bewilligte Entwöhnungsbehandlungen durch die Deutsche Rentenversicherung nach Hauptdiagnose 2017

Die bewilligten Entwöhnungsbehandlungen für die gesamte Deutsche Rentenversicherung im Jahr 2017 aufgeschlüsselt nach den verschiedenen Suchtmittelarten im stationären und ambulanten Setting.