Situation in Deutschland

Glücksspiel ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Laut den Repräsentativbefragungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) von 2007 bis 2011 unter den 16- bis 65-Jährigen hatte etwa die Hälfte der Deutschen in den zwölf Monaten davor an einem oder mehreren Glücksspielen teilgenommen. Die aktuellste Repräsentativbefragung von 2013 verzeichnete erstmals eine deutliche Abnahme der Spielteilnahme. Immerhin haben aber immer noch ca. 40 Prozent der Deutschen in den vergangenen zwölf Monaten vor der Befragung an einem Glücksspiel teilgenommen und rund 79 Prozent jemals in ihrem Leben.

Foto: Glücksspielautomaten in einer Spielhalle
Manche Menschen können ihr Spielverhalten nicht kontrollieren, geraten dadurch in eine Abhängigkeit. Finanzielle Verluste, starke emotionale Belastungen, Konflikte in der Familie und Probleme am Arbeitsplatz sind die Folgen.

Die repräsentative Erhebung der BZgA von 2013 schätzt den Anteil der problematischen Glücksspieler im Jahr der Studie auf 0,82 Prozent und der – wahrscheinlich – pathologischen Glücksspieler auf 0,68 Prozent. Hochgerechnet auf die 16- bis 65-jährige Bevölkerung sind dies in Deutschland rund 368.000 Menschen, die ein problematisches Glücksspielverhalten aufweisen und rund 443.000 Menschen, die – wahrscheinlich - pathologisch Glücksspiel betreiben.

Der Glücksspielsektor in Deutschland befindet sich aktuell in einem Umbruch. Gerichtsentscheidungen haben dazu beigetragen, dass die rechtlichen Grundlagen des Glücksspiels einer Generalrevision unterzogen werden müssen. Mögen dabei die unterschiedliche Vorstellungen der vielen Beteiligten in diesem Bereich teilweise stark umstritten sein, um eine Gewissheit kommt die Diskussion nicht herum: Der Spielerschutz und die Vorbeugung von Glücksspielsucht ist zentraler Punkt einer jeden Neuregelung.

Die rechtlichen Grundlagen des Glücksspiels in Deutschland sind unübersichtlich. Dies ist eine Herausforderung für eine einheitliche, wirksame und effektive Suchtprävention.

Neuer Glücksspielstaatsvertrag zum Glücksspielwesen

Die Zuständigkeit für das Glücksspiel liegt im Wesentlichen bei den Ländern. Lotterien, Spielbanken und Sportwetten unterliegen laut „Erstem Staatsvertrag zur Änderung des Staatsvertrages zum Glücksspielwesen der Länder“ weiterhin einem staatlichen Monopol. Dieses ist gerechtfertigt, wenn es dazu dient, die Spielleidenschaft in geordnete Bahnen zu lenken und Glücksspielsucht vorzubeugen. Der Glücksspieländerungsstaatsvertrag ist am 1. Juli 2012 in Kraft getreten.
Mittlerweile sind ihm alle Bundesländer beigetreten. Zu den Zielen des Glücksspieländerungsstaatsvertrages gehört es, das Entstehen von Glücksspielsucht und Wettsucht zu verhindern und durch ein begrenztes Glücksspielangebot unter Gewährleistung des Jugend- und Spielerschutzes Voraussetzungen für eine wirksame Suchtprävention zu schaffen. Um das zu erreichen, sind differenzierte Maßnahmen für die einzelnen Glücksspielformen vorgesehen, die spezifische Sucht-, Betrugs-, Manipulations- und Kriminalitätspotenziale berücksichtigen. Der Glücksspieländerungsstaatsvertrag regelt vor allem die Sportwetten neu. Von dem bisherigen staatlichen Veranstaltungsmonopol soll abgewichen und stattdessen ein begrenztes Angebot privater Konzessionäre geschaffen  werden. In diesem Sektor hat sich in den letzten Jahren das Glücksspiel überwiegend auf das Spiel bei illegalen Online-Anbietern verlagert. Ziel ist die Kanalisierung zu einem legalen Sportwettangebot. Die Nachfrage spielaffiner Personen soll in Richtung legaler Angebote gelenkt werden. Dabei sollen Spielformen angeboten werden, die aus suchtpräventiver Sicht weniger gefahrenträchtig sind. Strenge Konzessionsregeln sollen zudem einen ausreichenden Spielerschutz sicherstellen.

Gewerbliches Automatenspiel

Das Suchtpotenzial des gewerblichen Automatenspiels ist hoch. Deshalb ist es notwendig, die Jugend- und Spielerschutzregelungen beim gewerblichen Automatenspiel zu verbessern. Die Maßnahmen, die in der Nationalen Strategie der Bundesregierung zur Drogen- und Suchtpolitik für den Bereich des Pathologischen Glücksspiels aufgeführt wurden, wurden im Rahmen der Änderung der Gewerbeordnung umgesetzt und sind Gegenstand der laufenden Novellierung der Spielverordnung. Auch der Glücksspieländerungsstaatsvertrag enthält erstmals Regelungen für Spielhallen. Die Spielhallengesetze der Länder können individuelle Regulierungen für Spielhallen treffen, die über die Mindestanforderungen des Glücksspieländerungsstaatsvertrages hinausgehen.