Tabakkonsum

Der Hauptwirkstoff der Tabakpflanze ist das Nikotin: Wird Nikotin im Zigarettenrauch einer klassischen Zigarette eingeatmet, gelangt es binnen Sekunden ins Gehirn, wo es sowohl anregende als auch beruhigende Effekte hat. Darüber hinaus enthält Tabakrauch etwa 4.800 Substanzen, von denen über 90 als krebserregend oder erbgutverändernd gelten. Häufig werden dem Tabak auch noch Zusatzstoffe beigemengt, um den Geschmack, das Abbrennen oder die Feuchtigkeit des Tabaks zu beeinflussen. Beim Tabakrauchen wird eine Vielzahl von Giftstoffen über die Lunge aufgenommen und durch den Blutkreislauf im gesamten Körper verteilt. Dadurch werden nicht nur die Atemwege durch das Rauchen geschädigt, sondern es ist beinahe jedes Organ betroffen. Am stärksten ist die Belastung aber für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System. Die durch das Rauchen verursachten Gesundheitsschäden treten in der Regel erst nach Jahren, viele erst nach Jahrzehnten auf.

Beim Verbrennen von Tabak entsteht überdies Kohlenmonoxid. Das Einatmen von Kohlenmonoxid kann auch der Zigarettenfilter nicht verhindern. Die Folge: Kohlenmonoxid verbindet sich mit den roten Blutkörperchen und hemmt dort die Sauerstoffaufnahme. Dadurch nimmt der Sauerstoffgehalt im Blut ab, und die Organe werden schlechter mit Sauerstoff versorgt. Um dieses Defizit auszugleichen, steigen Blutdruck und Pulsfrequenz an. Gleichzeitig sinkt die allgemeine Leistungsfähigkeit, und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nimmt zu.

Beim Verbrennen von Tabak in Zigaretten entstehen zwei Arten von gesundheitsschädlichem Rauch:

Beim Zug an der Zigarette bildet sich der Hauptstromrauch. Dieser wird vom Raucher direkt inhaliert. In der Glutzone entsteht eine Temperatur von bis zu 1.000 Grad Celsius. Glimmt die Zigarette bis zum nächsten Zug weiter, entsteht der Nebenstromrauch. Während dieser Zeit verbrennt der Tabak nur bei bis zu 600 Grad Celsius. Der Nebenstromrauch gelangt in die Umgebungsluft und wird auch von Nichtrauchern eingeatmet (Passivrauchen). Dieser ist deshalb so gesundheitsschädlich, weil durch die niedrigeren Temperaturen die Verbrennung des Tabaks weniger vollständig als beim Hauptstromrauch erfolgt. Dadurch ist gerade hier die Konzentration von Schadstoffen wie Kohlenmonoxid oder Benzol besonders hoch.

Die Gesundheitsschäden durch Rauchen sind erheblich. Schätzungen zufolge sterben in Deutschland jährlich 121.000 Menschen an den Folgen des Tabakrauchens. Im Schnitt verlieren Raucherinnen und Raucher zehn Jahre ihres Lebens. Die häufigsten tabakbedingten Todesfälle resultieren aus Krebserkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 90 % aller Lungenkrebsfälle werden durch das Rauchen verursacht. Rauchen ist außerdem die bedeutendste Ursache für die Entwicklung einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD).

Darüber hinaus leiden Raucherinnen und Raucher an einer schlechteren Immunabwehr, weisen vermehrt Erkrankungen an den Zähnen und der Mundhöhle auf, leiden unter beschleunigter Hautalterung und haben ein erhöhtes Risiko für Diabetes. Rauchende Männer sind häufiger impotent. Raucherinnen kommen früher ins Klimakterium, sind besonders osteoporosegefährdet, haben häufiger Zyklusstörungen und eine herabgesetzte Fruchtbarkeit. Rauchen in der Schwangerschaft stellt für die Entwicklung des ungeborenen Kindes ein erhebliches Risiko dar. Die im Tabakrauch enthaltenen Schadstoffe beeinträchtigen die fetale Sauerstoffversorgung und hemmen so zentrale Wachstums- und Reifungsprozesse. Schwangerschaftskomplikationen wie Fehl-, Früh- und Totgeburten treten bei Raucherinnen vermehrt auf. Ein Rauchstopp vor oder zu Beginn der Schwangerschaft kann das Risiko für Komplikationen und negative gesundheitliche Auswirkungen deutlich reduzieren.

Nach aktuellen Schätzungen belaufen sich die direkten Kosten für die Versorgung von Krankheiten und Gesundheitsproblemen im Zusammenhang mit dem Rauchen auf 25,4 Milliarden Euro jährlich. Die direkten Kosten unter Einbeziehung von Erwerbsunfähigkeit, Frühberentung und Todesfällen wurden auf 53,7 Milliarden Euro jährlich geschätzt, sodass von einem gesamtwirtschaftlichen Schaden von insgesamt 79,1 Milliarden Euro auszugehen ist (Deutsches Krebsforschungszentrum, 2015; Effertz, 2015).

Bekämpfung Tabakschmuggel

Im Jahr 2017 wurden insgesamt 77 Millionen Zigaretten in Deutschland sichergestellt. Nach dem vorläufigen Untersuchungsergebnis handelt es sich dabei bei mindestens 80 % um Fälschungen. Der Konsum von unversteuertem Wasserpfeifentabak ist nach wie vor ungebrochen. So konnten 2017 33.300 kg Wasserpfeifentabak sichergestellt werden. Zur Unterbindung des illegalen Handels mit Tabakerzeugnissen werden in den Artikeln 15 und 16 der Tabakproduktrichtlinie Grundregelungen eines Systems der Rückverfolgbarkeit und der Identifizierung illegaler Produkte formuliert. Danach sind Packungen von Tabakerzeugnissen mit einem individuellen Erkennungsmerkmal und einem fälschungssicheren Sicherheitsmerkmal zu kennzeichnen. Sie gelten nach der Tabakproduktrichtlinie ab dem 20. Mai 2019 zunächst für Zigaretten und Tabak zum Selbstdrehen, für die übrigen Tabakerzeugnisse ab dem 20. Mai 2024. Zur Konkretisierung hat die Europäische Kommission am 15. Dezember 2017 folgende Rechtsakte verabschiedet:

• Durchführungsverordnung über technische Standards für die Errichtung und den Betrieb eines Rückverfolgbarkeitssystems für Tabakerzeugnisse nach Artikel 15 Absatz 11 Buchstabe a der Tabakproduktrichtlinie;

• Durchführungsbeschluss über technische Standards für Sicherheitsmerkmale von Tabakerzeugnissen nach Artikel 16 Absatz 2 der Tabakproduktrichtlinie;

• Delegierte Verordnung über Kernelemente der im Rahmen eines Rückverfolgbarkeitssystems für Tabakerzeugnisse zu schließenden Datenspeicherungsverträge nach Artikel 15 Absatz 12 der Tabakproduktrichtlinie.

Derzeit wird von der Bundesregierung die Anpassung des nationalen Tabakrechts an diese EU-Vorschriften vorbereitet. 

Erhöhung der Tabaksteuer

Entsprechend dem Tabaksteuergesetz (TabStG) stieg zum 15. Februar 2017 der Mindeststeuersatz für Zigaretten an. Die Systematik der Tabaksteuerberechnung basiert auf einer mengenbezogenen und einer wertbezogenen Komponente, flankiert mit einer Mindeststeuer. Die Mindeststeuer führt dazu, dass für niedrige Kleinverkaufspreise relativ hohe Tabaksteuerbeträge anfallen. Da immer der Umsatzsteueranteil der jeweilig zu versteuernden Kleinverkaufspackung zu berücksichtigen ist, gibt es nicht den einen Mindeststeuersatz. Legt man den gewichteten durchschnittlichen Kleinverkaufspreis für Zigaretten zu Grunde, resultiert ein Mindeststeuersatz von 15,505 Ct/Zigarette für das Jahr 2017, verglichen mit 15,374 Ct/Zigarette für das Jahr 2016.

Die Tabakrahmenkonvention (Framework Convention on Tabacco Control, FCTC) der WHO wurde als völkerrechtlicher Vertrag durch die 56. Weltgesundheitsversammlung 2003 beschlossen und trat 2005 in Kraft. 181 Vertragsparteien, darunter Deutschland und die EU, haben sich rechtlich an das Übereinkommen gebunden. Die Konvention umfasst Maßnahmen und Verpflichtungen der Vertragspartner, die vor allem Herstellung, Werbung, Deklarierung und Verkauf von Tabakprodukten betreffen. Damit sollen Menschen besser vor den Folgen des Tabakkonsums und des Passivrauchens geschützt werden. Die Tabakrahmenkonvention ist das erste globale Gesundheitsübereinkommen und gilt für rund 90 % der Weltbevölkerung.

In der Zeit vom 1. bis 6. Oktober 2018 fand in Genf die 8. Konferenz der Vertragsparteien der Tabakrahmenkonvention statt. Zuvor tagte im Mai 2018 eine Expertenkonferenz in Berlin zur Weiterentwicklung der partiellen Leitlinien zur Regulierung von Zusatzstoffen (Artikel 9 und 10 der Tabakrahmenkonvention), die verschiedene Optionen zur Beschränkung des Suchtpotentials von Tabakerzeugnissen erörterte. Die Ergebnisse dieser Expertenkonferenz des Sekretariats der Tabakrahmenkonvention, für die Deutschland als Gastgeber fungierte, dienen als Entscheidungshilfe für die 8. Konferenz der Vertragsparteien. 

Auf Artikel 15 der Tabakrahmenkonvention, in dem sich die Vertragsparteien verpflichtet haben, gegen illegalen Handel mit Tabakprodukten vorzugehen, basiert das Protokoll zur Unterbindung des unerlaubten Handels mit Tabakerzeugnissen. Deutschland hat das Protokoll zur Unterbindung des unerlaubten Handels mit Tabakerzeugnissen im Oktober 2017 durch Hinterlegung der Ratifikationsurkunde beim Verwahrer ratifiziert, nachdem das Ratifikationsgesetz im Juli 2017 beschlossen und verkündet wurde. Ziel des Protokolls ist es, weltweit den illegalen Handel von Tabakwaren einzudämmen, womit es dem Schutz der Gesundheit dient. Es setzt verbindliche Standards für die Vertragsstaaten und bildet einen Rahmen für die internationale Zusammenarbeit. Das Protokoll zielt auf eine umfassende Überwachung der gesamten Lieferkette für Tabakerzeugnisse ab. Dabei geht es unter anderem um ein weltweites Verfolgungs- und Rückverfolgungs system für Tabakprodukte (sog. „Tracking and Tracing“).

Das Protokoll tritt 90 Tage, nachdem es 40 Vertragsparteien des Tabakrahmenübereinkommens ratifiziert, angenommen, genehmigt oder förmlich bestätigt haben oder ihm beigetreten sind, in Kraft. Diese Zahl wurde erreicht und das Protokoll trat zum 25. September 2018 in Kraft. Direkt im Anschluss an die 8. Konferenz der Tabakrahmenkonvention fand vom 8. bis 10. Oktober 2018 in Genf die 1. Versammlung der Vertragsparteien des Protokolls statt.

Daten zum Tabakkonsum

Prävalenzen des Rauchens

Prävalenzen des Rauchens (Zigaretten) bei Jugendlichen und Erwachsenen

Zeitliche Entwicklung Rauchquote

Zeitliche Entwicklung der Rauchquote bei Erwachsenen (18+)

Quelle: RKI, GEDA 2014/2015-EHIS

Anteil Raucher nach Sozialstatus

Anteil der Raucherinnen und Raucher nach Sozialstatus

Quelle: RKI, GEDA 2014/2015-EHIS

Trends Tabakkonsum Jugendliche

Entwicklung des Tabakkonsums bei 11- bis 17-jährigen (tägliches und gelegentliches Rauchen)

Aktuelles Rauchen Jungen

Aktuelles Rauchen bei 11- bis 17-jährigen Jungen nach Faktoren der sozialen Umgebung 

Aktuelles Rauchen Maedchen

Aktuelles Rauchen bei 11- bis 17-jährigen Mädchen nach Faktoren der sozialen Umgebung 

Rauchen in der Schwangerschaft

Mütterliches Rauchen in der Schwangerschaft bei 0- bis 6-jährigen Kindern (Geburtsjahrgänge 2007-2016) nach Alter der Mutter bei Geburt des Kindes, Sozialstatus und Migrationshintergrund

Trends im Rauchverhalten während Schwangerschaft

Trends im Rauchverhalten während der Schwangerschaft bei Müttern von 0- bis 6-jährigen Kindern insgesamt und nach sozialökonomischem Status